Zu spät am Check-In? Pech gehabt

Foto Ein Flug von Beirut nach Stuttgart beschäftigte das Landgericht Frankfurt am Main (Aktenzeichen 2-24 O 95/15)Wer erst nach der Schließung des Check-In-Schalters am Flughafen erscheint, trägt die Schuld daran selbst und hat kein Recht auf Ausgleich für entstandene Mehrkosten. Das hat das Landgericht Frankfurt am Main (Aktenzeichen 2-24 O 95/15) entschieden.

Check-In-Schalter darf geschlossen bleiben

Erscheint ein Passagier erst nach der Schließung des Check-In-Schalters zur Abfertigung, ist die Airline nicht dazu verpflichtet, den Counter erneut zu öffnen bzw. für daraus resultierende Mehrkosten des Fluggastes aufzukommen. Das gilt selbst dann, wenn der Flug noch auf der Anzeigentafel ausgewiesen ist, sich der Abflug verzögert oder – wie im verhandelten Fall – die Zufahrt zum Airport wegen eines Attentats nicht möglich war. Für die entstandenen Kosten muss der Fluggast selbst aufkommen. Das wurde vom Landgericht Frankfurt am Main (Aktenzeichen 2-24 O 95/15) entschieden.

Passagiere müssen auf eigene Kosten einen neuen Flug nach Stuttgart buchen

Folgender Fall wurde verhandelt: Eine Reisegruppe wollte im Juni 2014 vom Flughafen Beirut zurück nach Stuttgart fliegen. Die Straße zum Flughafen war jedoch wegen eines Anschlags gesperrt, sodass die Passagiere erst 30 Minuten vor dem geplanten Abflug am Check-in-Schalter erscheinen konnten. Dieser war jedoch bereits geschlossen und wurde auch nicht mehr geöffnet. Der Flug in Richtung Flughafen Stuttgart hob ohne die Kläger ab. Das wollten sie nicht unwidersprochen hinnehmen, und der Reiseleiter brachte den Fall daraufhin vor Gericht. Ohne Erfolg: Nach Ansicht der Richter sei die Fluggesellschaft nicht in der Pflicht gewesen, den Schalter für die Gruppe wieder zu öffnen. Auch bestünde keine Verpflichtung, einen Check-In-Schalter so lange offen zu halten, wie der Flug auf den Anzeigetafeln des Flughafens angezeigt wird. Zudem sei es unerheblich, dass der Flug erst mit 25 Minuten Verspätung abgehoben ist, so die Richter weiter. Die Betriebsabläufe am Airport würden es nicht zulassen, dass der Schalter länger geöffnet habe als vorgesehen.

Die Reisegruppe war letztendlich gezwungen neue Flüge nach Stuttgart zu buchen. Die Kosten für die Tickets in Höhe von fast 8.500 Euro verlangte der Reiseleiter von der Fluggesellschaft zurück und führte zur Begründung an, dass die Reisegruppe beim Betreten des Flughafens noch ausgerufen worden und auch der Flug noch auf der Anzeigentafel ausgewiesen gewesen sei.

Nach Ansicht des Landgerichts sei es jedoch unerheblich gewesen, ob die Fluggesellschaft von der Verspätung der Reisegruppe Kenntnis hatte. Die Airline sei vielmehr gegenüber den rechtzeitig erschienenen Fluggästen verpflichtet gewesen, den Flug ordnungsgemäß abzuwickeln.

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geschrieben von: Co-Pilotin | Die Flugwelt A - Z, Flugrecht | 0 Kommentare