Wie viel Geld bekommt ein Passagier bei einer Verspätung?

Foto Das Landgericht Landshut (Az.: 13 S 2291/15) hatte über einen verspäteten Flug nach München zu entscheidenBei größeren Flugverspätungen und Annullierungen richtet sich die Höhe der Ausgleichszahlung nach EU-Recht nach der Länge des Fluges – je nach Streckenlänge werden betroffene Passagiere mit 250, 400 oder 600 Euro entschädigt.

Flugverspätung: Direkte Entfernung maßgeblich für Höhe der Entschädigung

Die Höhe der Entschädigung bei einer Flugverspätung von mehr als drei Stunden hängt von der direkten Entfernung zwischen Start- und Zielort ab. Die zusätzlichen Kilometer, die unter Umständen wegen eines Umweges bei Zwischenlandungen anfallen, werden bei der Ermittlung der Streckenlänge nicht berücksichtigt. Das hat das Landgericht Landshut (Az.: 13 S 2291/15) entschieden.

Die Richter hatten über folgenden Fall zu befinden: Der Kläger hatte einen Flug von Rom über Amsterdam nach München gebucht. Der erste der beiden Teilflüge verspätete sich, wodurch der Mann seinen Weiterflug verpasste und mit mehr als drei Stunden Verspätung in München landete.

Daraufhin verlangte er von der Airline 400 Euro – bei einer Gesamtstreckenlänge von mehr als 1.500 Kilometern steht ihm diese Summe nach EU-Recht eigentlich zu. Bei der Berechnung der Streckenlänge hatte der Kläger die Entfernung von Rom nach Amsterdam und von dort nach München zu Grunde gelegt:

Rom – Amsterdam 1.297 Kilometer

Amsterdam – München 729 Kilometer

„Entfernung“ ist der Abstand zwischen zwei Punkten

Das sahen die Richter anders: Maßgeblich für die Berechnung der Streckenlänge sei die direkte Entfernung zwischen Start- und Zielort, Umwege wegen einer Zwischenlandung dürfen nicht mit in die Summe eingehen. Die direkte Distanz zwischen Rom und München beträgt 729 Kilometer – der Kläger bekam deshalb lediglich 250 Euro für die Verspätung zugesprochen.

Zudem argumentierten die Richter, dass der Begriff „Entfernung“ den Abstand zwischen zwei Punkten meint und nicht wie im vorliegenden Fall von drei Punkten. Laut Artikel 7 Absatz 1 der Fluggastrechteverordnung ist der letzte Zielort (hier München) für die Ermittlung der Entfernung maßgeblich. Es sei auch nicht einleuchtend, warum ein Passagier ab Rom mit einem Direktflug nach München eine geringere Ausgleichszahlung bekommen sollte als ein Fluggast, der einen Zwischenstopp in Amsterdam einlegt.

Über das Urteil berichtet die Deutsche Gesellschaft für Reiserecht in ihrer Zeitschrift „ReiseRecht aktuell“.

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geschrieben von: Co-Pilotin | Flugrecht | 0 Kommentare