Urteil: Flugzeug vom Blitz getroffen

Foto: Ein Blitzschlag am Vortag rechtfertig keine Flugverspätung (Amtsgericht Königs Wusterhausen (Aktenzeichen 4 C 1942/15) Kommt es zu einer Flugverspätung, weil die eingeplante Maschine wegen eines Blitzschlags zwei Nächte zuvor zunächst repariert werden musste, ist das bedauerlich. Doch ist es auch höhere Gewalt?

Rechtfertigt ein Blitzschlag am Vortag eine Flugverspätung?

Wenn sich ein Flug wegen höherer Gewalt – im konkreten Fall wegen eines Blitzschlages – verspätet, haben Passagiere nach EU-Recht eigentlich keinen Anspruch auf Entschädigung. Doch wie verhält es sich, wenn der Grund für die Verspätung nicht in unmittelbarer zeitlicher Nähe zur Verspätung liegt? Ein Passagier hat deswegen gegen die betreffende Fluggesellschaft auf die Zahlung einer Entschädigung geklagt (Amtsgericht Königs Wusterhausen (Aktenzeichen 4 C 1942/15)). Die Hintergründe zum Urteilsspruch lesen Sie hier:

Wenn ein Blitz ein Flugzeug beschädigt, kann die Airline eigentlich nichts dafür und den betroffenen Passagieren steht deshalb auch keine Entschädigung nach EU-Recht zu – bei Blitzschlag handelt es sich um einen außergewöhnlichen Umstand. Anders verhält es sich jedoch, wenn ein Blitz bereits am Vortag ein eingeplantes Flugzeug beschädigt hat und sich auch am Folgetag die Flüge deswegen noch verspäten. Das ist einem Urteil des Amtsgerichts Königs Wusterhausen (Aktenzeichen 4 C 1942/15 zu entnehmen). Die Richter sind zu der Ansicht gelangt, dass es in einem solchen Fall die Pflicht der Airline ist, für den Folgetag eine passende Ersatzmaschine zu besorgen. Gelingt ihr das nicht und fällt deshalb ein Flug aus oder verspätet sich um mehr als drei Stunden, haben die betroffenen Passagiere Anspruch auf eine Entschädigung.

Je größer nämlich der zeitliche Abstand zwischen dem außergewöhnlichen Umstand und dem verspäteten Flug ist, desto höhere organisatorische Anforderungen seien nach Ansicht der Richter an die Fluggesellschaft zu stellen. Diese müsse versuchen, die Verspätung durch zumutbare Maßnahmen zu vermeiden. Störungen, die am selben Tag bei vorangegangenen Flügen auftreten, seien in der Regel zu berücksichtigen. Wenn der außergewöhnliche Umstand jedoch am Vortag eintrete, sei das keine Entschuldigung für Flugverspätungen oder Flugannullierungen am nachfolgenden Tag. Es liege im Verantwortungsbereich der Airline, an einem Tag eintretende Defekte oder Störungen an Flugzeugen einzuplanen und jederzeit für angemessenen Ersatz für nachfolgende Tage zu sorgen.

Das Urteil wurde zugunsten des Klägers gefällt – die Airline hatte argumentiert, dass es sich auch in diesem Fall um einen außergewöhnlichen Umstand im Sinne von Art. 5 Abs. 3 der Fluggastrechteverordnung (FluggastrechteVO) handele.

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geschrieben von: Co-Pilotin | Die Flugwelt A - Z, Flugrecht | 0 Kommentare