Stornierung eines Tickets nicht möglich? Airline muss zahlen

Foto: Ein Passagier wollte seinen Flug nach Los Angeles stornieren - die Airline verweigerte die ErstattungWer seinen Flug storniert, kann auf die nahezu komplette Erstattung des Ticktpreises hoffen – auch dann, wenn der gebuchte Tarif die Stornierung eines Tickets ausdrücklich ausschließt.

Urteil: Billigtarif ist keine Individualvereinbarung

Die Stornierung eines Fluges ist an sich schon ein Riesenärger, doch wenn dann auch noch die Airline die Erstattung verweigert, weil der gebuchte Tarif das angeblich ausschließt, ist es für den Passagier richtig bitter. Das wollte ein Reisender nicht klaglos hinnehmen und brachte den Fall vor das Amtsgericht Köln (Az.: 142 C 222/16).

Die Richter hatten über folgenden Fall zu entscheiden: Der Kläger hatte Tickets für seine Ehefrau und zwei Kinder für den Flug nach Los Angeles ab Düsseldorf sowie Rückflüge für die gleiche Strecke im Wert von 3652,28 Euro gekauft. Der Kläger stornierte die Flüge und verlangte die vollständige Rückzahlung des Ticketpreises. Laut Airline hatte er jedoch einen Tarif gebucht, der die volle Erstattung der Tickets ausschloss.

Die Airline argumentierte, dass der Kläger bei der Buchung die Auswahl zwischen verschiedenen Tarifen gehabt habe. Dabei handele es sich folglich um eine Individualvereinbarung – und nicht um eine Klausel der Allgemeinen Geschäftsbedingungen (AGB). Die Richter am Amtsgericht Köln folgten diesen Argumenten nicht und befanden, dass der Käufer der Tickets keine tatsächliche Möglichkeit zum „individuellen Aushandeln“ hatte und es sich deshalb auf jeden Fall um eine AGB-Klausel handele- und zwar um eine, die den Kunden zudem auch noch unangemessen benachteilige. Zudem sei laut Gericht der Flugbeförderungsvertrag zwischen dem Kläger und der beklagten Airline durch den Kläger wirksam gemäß § 649 BGB gekündigt worden. Das dem Kläger zustehende Kündigungsrecht sei von der Airline nicht ausgeschlossen worden. Der Kläger bekam Recht und erhielt fast den gesamten Flugpreis zurück. Die Airline muss die Kosten des Rechtsstreits übernehmen.

Tarife unterscheiden sich hinsichtlich ihrer Flexibilität

Bei der Buchung konnte der Kläger per Mausklick zwischen den Tarifen „Economy Basic“ und „Economy Basic Plus“ wählen. Die beiden zur Wahl stehenden Tarife unterscheiden sich dadurch, dass der günstigere Basic Tarif eine geringere Flexibilität bei der Stornierung und bei der Umbuchung aufweist. Der Kläger wählte den günstigeren Tarif „Economy Basic“ und bekam in nächsten Schritt der Buchung die Tarifkonditionen und Gepäckinformationen der Airline angezeigt. In diesem Fenster heißt es einem gesonderten zu öffnendem Feld „Erstattung“: „Die Stornierung des Tickets ist nicht möglich. Die nicht verbrauchten Steuern und Gebühren sind erstattbar. Der internationale/nationale Zuschlag ist nicht erstattbar.“

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geschrieben von: Co-Pilotin | Die Flugwelt A - Z, Flugrecht | 0 Kommentare