Kofferverspätung: Shoppen bis die Kreditkarte glüht?

Foto Ersatzkäufe bei Kofferverspätung dürfen nicht in unbegrenzter Höhe erfolgenKommt der Koffer verspätet am Urlaubsort an, ist das mehr als ärgerlich. Doch was darf ein Pauschalreisender vor Ort für Ersatzkleidung und Hygieneartikeln ausgeben? Das Amtsgericht Köln (Az.: 142 C 392/14) hat entschieden.

Erstattungshöhe für „Notkäufe“ ist begrenzt

Verspätet sich das Fluggepäck bei einer Pauschalreise um mehrere Tage, dürfen sich die Betroffenen vor Ort Kleidung und Körperpflegeprodukte zur Überbrückung der „Notsituation“ kaufen und die Kosten nach der Rückkehr beim Veranstalter der Reise geltend machen. Doch wie viel Geld darf man in dieser misslichen Lage ausgeben? Ein Urteil des Amtsgerichts Köln (Az.: 142 C 392/14) zeigt, dass man bei Gepäckverspätung nicht einfach nach Lust und Laune shoppen kann, sondern beachten muss, dass für die Ersatzkäufe preislich enge Grenzen gesetzt sind. Die Deutsche Gesellschaft für Reiserecht berichtet in ihrer Zeitschrift „ReiseRecht aktuell“ über das Urteil.

Koffer kam erst mit viertägiger Verspätung an

Die Kölner Richter hatten über folgenden Fall zu entscheiden: Geklagt hatte ein Frau, die nach der Landung an der Gepäckausgabe vergeblich auf ihr Gepäck gewartet hatte – der  Koffer traf im Hotel am Urlaubsort erst mit vier Tagen Verspätung ein. Die Klägerin selbst war auch mit einem Tag Verspätung angekommen. Dafür bekam sie vom Reiseveranstalter 128 Euro Entschädigung. Für die Verspätung des Koffers wurden ihr 26 Euro zugestanden. Zudem zahlte der Veranstalter der Frau 45 Euro wegen Baulärm sowie 150 Euro für Ersatzeinkäufe. Das war der Klägerin zu wenig. Sie hatte vor Ort 464,74 Euro für Kleidung ausgegeben, darunter befand sich auch ein Paar Schuhe für 89,90 Euro. Vor dem Amtsgericht Köln hat sie daraufhin auf mehr Entschädigung geklagt – mit mäßigem Erfolg.

Der Frau wurde zwar mehr Geld wegen des fehlenden Koffers zugesprochen – insgesamt 57,42 Euro. Auch für den Baulärm am Pool sprachen ihr die Richter eine Preisminderung von 20 Prozent zu – das sind weitere 178,60 Euro. Doch bezüglich der Ersatzkäufe kannten die Richter kein Pardon – die Klägerin bekam keinen Cent mehr als die vom Reiseveranstalter bereits gezahlten 150 Euro. Dass es sich um „Notkäufe“ handelte sei nicht erwiesen und der Klägerin hätte nach dem verspäteten Eintreffen ihres Koffers auch wieder ihre Urlaubskleidung zur Verfügung gestanden.

Tags: , , ,

geschrieben von: Co-Pilotin | Flugrecht | 0 Kommentare