Ist ein übergewichtiger Vordermann ein Reisemangel?

Foto Zu wenig Beinfreiheit im Flugzeug kann ein Mangel seinWenn ein übergewichtiger Passagier die Beinfreiheit eines anderen durch übermäßiges Zurückbiegen der Rückenlehne einschränkt, kann der Flugpreis reduziert werden. Zu diesem Urteil kam das Amtsgericht Frankfurt am Main.

Mindestmaß an Bewegungsfreiheit muss gewährleistet sein

Sorgt in übergewichtiger Vordermann auf dem Vordersitz im Flugzeug für weniger Beinfreiheit als normal, ist das als Mangel zu bewerten – dem derartig „eingekeilten“ Passagier steht ein reduzierter Flugpreis zu, so das Amtsgericht Frankfurt am Main (Az.: 31 C 4210/14 [17]). Über den Fall berichtet die Deutsche Gesellschaft für Reiserecht in der Zeitschrift „ReiseRecht aktuell“.

Über folgenden Fall hatten die Frankfurter Richter zu entscheiden: Während eines Fluges war die Lehne des Sitzes eines übergewichtigen Passagiers fünf bis zehn Zentimeter weiter zurückgebogen als technisch vorgesehen. Dadurch hatte der der dahinter sitzende 1,95 Meter große Kläger deutlich weniger Beinfreiheit als üblicherweise vorhanden ist und deshalb von jedem Passagier auch erwartet werden kann. Der unfreiwillig eingezwängte Passagier hat deshalb die Airline verklagt und von den Amtsrichtern in Frankfurt am Main Recht bekommen.

Jeder Fluggast dürfe erwarten, dass er einen Sitzplatz hat, der ein Mindestmaß an Bewegungsfreiheit gewährt, so das Gericht. Wenn eine Airline in ihre Flugzeuge derart materialschwache Sitze einbaue, dass die Rückenlehne durch einen übergewichtigen Passagier weiter zurückgebogen wird als technisch vorgesehen, sei dies – gerade bei einem Langstreckenflug – als Mangel zu bewerten.

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geschrieben von: Co-Pilotin | Die Flugwelt A - Z, Flugrecht | 1 Kommentar