Im Schnee gestrandete Passagiere: Diese Pflichten haben Airlines

Nervenaufreibendes Warten und unfreiwillige Übernachtungen am Airport: Abertausende Passagiere waren bei frostigem Winterwetter vor und während der Weihnachtsfeiertage davon betroffen. Erfahren Sie hier, zu welchen Leistungen Airlines verpflichtet sind.

Airlines müssen sich um ihre Passagiere kümmern, wenn eine Maschine nicht rechtzeitig starten kann. Aber aufgepasst: Voraussetzung ist, dass der Passagier eine Flug-Reservierung hat und zur angegebenen Zeit beim Check-In ist. War keine konkrete Boarding-Time angegeben, muss der Reisende nachweisen, dass er sich 45 Minuten vor der Abflugzeit am Check-In-Schalter aufgehalten hat. Sind diese Anspruchsgrundlagen gegeben, gilt:

Das leibliche Wohl – Sache der Airline

Ist der Abflug um mehr als zwei Stunden verspätet, muss die Fluggesellschaft Essen und Getränke sowie eine Möglichkeit zum Telefonieren bereitstellen. Versäumt sie dies, dürfen die Passagiere selbst aktiv werden: Sie können Essen gehen und die Rechnung später bei dem Unternehmen einreichen. Dabei ist allerdings die „Schadengeringhaltungspflicht“ einzuhalten: Es muss nicht Mac Donalds sein, aber das Sternerestaurant sollte man sich doch verkneifen.

Bus- und Bahn-Transfers – organisiert von der Airline

Besteht die Möglichkeit, von einem anderen Flughafen aus zu starten, muss die Fluggesellschaft die Bus- oder Bahnfahrt dorthin organisieren. Das gilt auch, wenn sich herausstellt, dass der Flug ganz annulliert wird. In diesem Fall muss nicht nur eine Unterbringung, sondern auch die Fahrt dorthin und zurück gewährleistet werden.

Hotel oder Feldbett: Unterkünfte müssen bereitgestellt werden

Organisiert die Fluggesellschaft keine Übernachtung am Flughafen, dürfen die Passagiere selbst ein Hotelzimmer buchen und die Rechnung an die Airline weiterreichen. Diese Regelung gilt für alle Flüge, die innerhalb der Europäischen Union beginnen sowie für alle weiteren Flüge mit Airlines, die ihren Sitz innerhalb der EU haben. Auch hier gilt der Grundsatz der Verhältnismäßigkeit, wenn man sich zwischen Jugendherberge und 5-Sterne-Hotel entscheidet.

Wer am Flughafen auf dem Feldbett übernachtet, geht dagegen leer aus. Schadensersatz für die Nacht im Terminal lässt sich nach einem Urteil des Amtsgerichtes Erding in Bayern nicht fordern. Die Begründung: Durch eine Nacht am Airport entsteht kein finanzieller Nachteil.

Flugticket: Ersatzflug oder Erstattung des Ticketpreises

Möchten Passagiere ihren Flug trotz aller Widrigkeiten antreten, muss die Fluggesellschaft ihnen entweder einen Platz im verspäteten Flugzeug oder aber einen Ersatzflug anbieten. Ist die Ankunftszeit mindestens fünf Stunden später als geplant, steht es Reisenden aber frei vom Flug zurückzutreten. In diesem Fall muss die Airline den vollen Flugpreis erstatten.

Zusätzliche Entschädigung entfällt bei „höherer Gewalt“

Laut EU-Verordnung müssen Fluggesellschaften ihren Kunden grundsätzlich einen Schadensersatz von 250 bis 600 Euro zahlen, wenn Flüge annulliert werden oder mehr als drei Stunden Verspätung haben. Allerdings ist „höhere Gewalt“ ein Argument, bei der diese Regelung nicht greift. Darunter fällt auch das Wetter. Nur in dem Fall, wo der Airline Versäumnisse etwa bei der Enteisung der Maschienen nachgewiesen werden können, hätten Passagiere neben dem Betreuungs- auch Entschädigungsanspruch.

geschrieben von: Co-Pilotin | Flugrecht | 4 Kommentare