Flugrecht: Vorverlegung des Fluges in die Nacht ist unzumutbar

Wird ein Flug in die Nacht vorverlegt, beeinträchtigt das den Reisenden erheblich. Können Pauschalurlauber wegen eines ungeplanten Nachtfluges den kompletten Vertrag kündigen?

Kündigung des Reisevertrags und Entschädigungsanspruch gerechtfertigt

Verlegt ein Reiseveranstalter den Rückflug in die Nacht vor, wird die Nachtruhe des Urlaubers erheblich beeinträchtigt, und er kann den Vertrag kündigen. Zudem muss ihm die Anzahlung zurückgezahlt und die Versicherungsprämie erstattet werden. Zusätzlich steht dem Urlauber eine eine Entschädigung zu, wie das Amtsgericht Köln (Az.: 133 C 265/15) entschieden hat.

Die Deutsche Gesellschaft für Reiserecht berichtet in ihrer Zeitschrift „ReiseRecht aktuell“ über folgenden Fall, der am Amtsgericht Köln verhandelt wurde: Die Kläger,in die im November 2014 eine Pauschalreise nach Zypern im Wert von 4.472 Euro gebucht hatte, musste wegen der Insolvenz der Airline vom Reiseveranstalter vier Monate vor Reisebeginn auf einen anderen Flug umgebucht werden. Der Rückflug ab Zypern sollte dann aber bereits nachts um 3.50 Uhr starten und nicht wie ursprünglich vorgesehen, um 14.30 Uhr. Zudem hatte die Klägerin eine Reiserücktrittsversicherung für 219 Euro abgeschlossen.

Die Klägerin wollte die Vorverlegung des Fluges auf die Nachtstunden nicht hinnehmen und hat den Reisevertrag gekündigt. Sie verlangte vom Veranstalter ihre Anzahlung zurück sowie eine Entschädigung in Höhe von 50 Prozent des Reisepreises und die Erstattung der Versicherungsprämie. Der Veranstalter weigerte sich und forderte seinerseits eine Stornogebühr in Höhe von 90 Prozent des Reisepreises, was unter Berücksichtigung der Anzahlung noch 2.907 Euro waren.

Das Amtsgericht entschied zu Gunsten der Urlauberin: Die Vorverlegung des Rückflugs um fast 15 Stunden sei der Reisenden nicht zuzumuten und beeinträchtige deren Nachtruhe empfindlich. Der im Vertrag vorausgesetzte Nutzen der (Urlaubs-)Reise werde so beeinträchtigt und die Grenze der Zumutbarkeit sei überschritten. Obwohl nur eine einzige Teilleistung der gebuchten Reise betroffen gewesen sei, sei dennoch der nach dem Vertrag vorausgesetzte Nutzen der Reise erheblich beeinträchtigt gewesen. Die Kündigung des Reisevertrags sowie eine Entschädigung wegen entgangener Urlaubsfreude in Höhe von 50 Prozent seien demzufolge angemessen.

Flüge nach Zypern sind in diesem Jahr gut nachgefragt: Vor allem die Verbindung nach Paphos ist für Urlauber 2017 besonders attraktiv, da die zyprische Stadt in diesem Jahr den Titel „Kulturhauptstadt Europas“ trägt. Neben den antiken Bauten und Sehenswürdigkeiten kann man ganz entspannt die Sonne genießen oder Ausflüge rund um Paphos machen.

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geschrieben von: Co-Pilotin | Flugrecht | 0 Kommentare