Flugrecht: Ein Hurrikan ist ein außergewöhnlicher Umstand – aber nicht immer

Wenn eine Fluggesellschaft wegen eines Hurrikans kurzfristig umplanen muss, wirkt sich das meist auch auf andere Flüge aus. Kann sich die Airline für alle Folgeverspätungen auf einen außergewöhnlichen Umstand berufen?

Außergewöhnliche Umstände gelten nur für ein einzelnes Flugzeug an einem bestimmten Tag

Bei einer größeren Verspätung steht Fluggästen eine Entschädigung nach EU-Recht zu, wenn Wetterprobleme den Einsatz eines Flugzeugs verhindern und ein Ersatzflugzeug nicht rechtzeitig zur Verfügung steht. Die Airline kann sich in einem solchen Fall nicht auf außergewöhnliche Umstände berufen – auch wenn der Grund für die Umplanung der Flüge auf darauf zurückzuführen ist. Das entschied das Amtsgericht Hannover (Az.: 511 C 11581/15) und gab damit der Klage eines Passagiers statt.

In dem verhandelten Fall ging es um einen Flug nach Palma de Mallorca: Die Kläger aus Hannover haben ihr Urlaubsziel auf der Ferieninsel erst mit mehr als drei Stunden Verspätung erreicht, weil die Airline wegen des Hurrikans „Fred“ rund um die Kapverdischen Inseln mehrere Flüge umplanen musste. Deshalb konnte die für den Mallorca-Flug vorgesehene Maschine nicht starten. Die Airline hat sich zwar um einen Ersatzflieger gekümmert, aber es wurde eine Maschine aus Dänemark nach Hannover gebracht, die mit einigen Stunden Verspätung dort ankam. Die Airline hat die Verspätung mit außergewöhnlichen Umständen begründet und die Ausgleichszahlung nach EU-Recht verweigert. Zu Recht?

Das Amtsgericht Hannover entschied zu Gunsten des Klägers. Die Richter begründeten ihr Urteil damit, dass sich außergewöhnliche Umstände stets nur auf „ein einzelnes Flugzeug an einem bestimmten Tag“ beziehen können und verwiesen auf ein früheres EuGH-Urteil. Für Folgeverspätungen muss eine Airline in jedem Fall Entschädigung zahlen. Nur bei Flügen, die von einer Wetterstörung unmittelbar betroffen sind und sich deshalb verspäten, handelt es sich um einen außergewöhnlichen Umstand. Flüge, die nur mittelbar vom schlechten Wetter betroffen sind und von der Airline deshalb umgeplant werden, fallen wie im vorliegenden Fall nicht unter außergewöhnliche Umstände und es besteht ein Entschädigungsanspruch nach der Fluggastrechte-Verordnung.

Tags: , , , ,

geschrieben von: Co-Pilotin | Die Flugwelt A - Z, Flugrecht | 0 Kommentare