TuiFly und Co.: So setzt man sein Recht auf Entschädigung durch

Rechte bei FlugausfallVor einer Woche gipfelte das deutsche Flugchaos mit dem Ausfall von über 100 Flügen bei TuiFly. Mehr als 9.500 Passagiere sind betroffen gewesen. In Fachkreisen gelten anhaltende Turbulenzen als wahrscheinlich. Besser, man kennt seine Rechte bei Flugausfällen.

Gibt es Entschädigung für Ausfälle bei TuiFly und Air Berlin?

Nach dem Ausfall mehrerer Flüge bei TuiFly aufgrund eines massiven Krankenstandes, der mutmaßlich auch durch eine Protestaktion gegen die Airline motiviert war, hat der Tui-Konzern mitgeteilt, es wird keine Entschädigung für Passagiere geben. Die Flugausfälle bei TuiFly, vor allem vom 7. Oktober, seien Folge höherer Gewalt, heißt es.

Reiserechtler zweifeln diese Einschätzung an. Statt höhrer Gewalt handle es sich bei krankheitsbedingtem Ausfall von Personal um einen Organisationsfehler, sagen Rechtsexperten. Demnach sind Krankheitswellen kalkulierbare Betriebsrisiken. Alle Passagiere, die von dem Chaos bei TuiFly sowie Air Berlin betroffen sind, sollten daher ihre Entschädigungsansprüche geltend machen. Geld steht zu, wenn ein Flug annulliert wurde oder ein Abflug deutlich verspätet (min. 3 Stunden) erfolgt ist. Bei Verspätungen ist die Entschädigung zudem von der Flugstrecke abhängig.

Flüge bei bis zu 1.500km

250,- Euro pro Passagier

Flüge ab 1.501 bis 3.500km

400,- Euro pro Passagier

Flüge über 3.500km

600,- Euro pro Passagier

Auch wenn ein Flug wegen Überbuchung nicht mehr in Anspruch genommen werden konnte, steht eventuell eine Entschädigung zu. Außerdem gilt das Recht auf Entschädigung auch bei Billigflügen und Pauschalreisen. Betroffen sind alle Fluglinien, die innerhalb der EU starten sowie Fluggesellschaften mit Sitz in der EU.

Gutes Recht aber unmögliche Praxis

Da die Airlines vor den Entschädigungsansprüchen der Passagiere scheuen, geizen sie meistens mit Erklärungen zu Verspätungen oder Flugausfällen. Ist aber bekannt, dass es sich nicht um höhere Gewalt handelt, wie in den Fällen vergangenen Freitag, kann jeder Fluggast darauf bestehen, dass seine Entschädigung ausgezahlt wird. Am besten fordert man die Entschädigung schriftlich ein. Im Gegenzug erhält man ein Schreiben der Airline, welches die Beschwerde bestätigt. Dieses Schreiben ist aber keine Bestätigung!

Beispiele für höhere Gewalt (keine Entschädigung)

Beispiele Anspruch auf Entschädigung

-Vulkanausbruch (Eyjafjallajökull, 2010)

-fahrlässige Beschädigung am Flugzeug

-Radarausfall

-Erkrankung des Flugzeugpersonals

-starkes Unwetter

-fehlender Treibstoff etc.

-Streiks von Piloten oder Fluglotsen

-überschrittene Dienstzeit des Personals

Damit die geforderte Entschädigung auch tatsächlich gezahlt wird, lohnt ein Vorgehen online. Während man am Schalter und bei der Hotline nur vertröstet bzw. in der Warteschleife gehalten wird, kann man online effizient vorgehen. Aber auch auf diesem Wege kommen nur hartnäckige Passagiere zu ihrem Recht. Die Bearbeitung der Entschädigungsforderung dauert meist mehrere Wochen. Unterstützung und passende Formulare kann man sich auch bei der Verbraucherzentrale oder den Schlichtungsstellen für den öffentlichen Personenverkehr (SÖP) besorgen. Auch das Luftfahrt-Bundesamt ist eine Anlaufstelle für Fragen und Unsicherheiten rund um die Fluggastrechte.

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geschrieben von: Flugbegleiter | Flugrecht | 2 Kommentare