Objektophilie: Sex mit einem Flugzeug

Foto In so eine Boeing 737-800 ist die objektophile Michelle verliebtDie Wege der Liebe sind vielfältig und unergründlich: Manche Menschen führt sie sogar in eine Beziehung mit einem Gegenstand. Objektophile heißen die Betroffenen. Sie lieben Autos, Häuser und manchmal eben auch – ein Flugzeug.

Michelle lebt in einer Fernbeziehung. Ihren Schatz sieht sie nur ganz selten, obwohl beide seit anderthalb Jahren verlobt sind. Regelmäßig verschlägt es die 26-jährige Berlinerin zum Flughafen Berlin-Tegel. Dort kann sie ihm ganz nahe zu sein. „Schatz“, das ist die Boeing 737-800. Die junge Frau aus Hellersdorf hat sich unsterblich in den US-amerikanischen Flugzeug-Typ verliebt.

Herzklopfen bei jedem Date

Für Michelle ist die Boeing 737-800 ein vollwertiger Partner, ausgestattet mit einer Seele, die allen Modellen aller Airlines innewohnt. Bei jedem Treffen mit ihrem „Schatz“ flattern Schmetterlinge im Bauch der Einzelhandelskauffrau. Das Geräusch beim Starten des Triebwerks entfacht rasendes Herzklopfen. Die Gefühle unterscheiden sich demnach nicht von denen, die in einer Beziehungen zwischen zwei Menschen herrschen. Selbst ein bisschen Eifersucht verspürt Michelle: gegenüber den Fluggästen, die jeden Tag mit dem Flugzeug reisen, oder gegenüber den FlugbegleiterInnen. Bei den Piloten hingegen steht das Professionelle im Vordergrund; schließlich müssen sie ihren Freund fliegen und bedienen.

Verliebt in ein Objekt

Dass Michelle echte Gefühle für ein Flugzeug hegt, ist zwar ungewöhnlich, aber längst kein Einzelfall mehr. Ähnliche Phänomen gab es bereits in der Antike, etwa in Form einer leidenschaftlichen Liebe zu einer Statue. Und seit die Schwedin Eija-Riitta Eklöf im Juni 1979 die Berliner Mauer heiratete, existiert sogar ein Begriff für die emotionale Anziehung von Menschen auf einen Gegenstand: Objektophilie. Die Datenlage diesbezüglich ist allerdings sehr knapp. Oft sind es etwaige sexuelle Traumata, die zur Erklärung dieser besonderen Neigung angeführt werden. Eine einschlägige Studie aus dem Jahr 2010 ergab zudem, dass fünf von 21 Teilnehmern an einer Variante des Asperger-Syndroms litten.

„Schatz“ als Miniaturausgabe

In ihrem Zuhause bewahrt Michelle, bei der nie Asperger diagnostiziert wurde, über hundert Flugzeugmodelle auf. Alle zusammen kosteten rund 5.000 Euro. Die meisten sind ungefähr 20 Zentimeter groß. Sie stehen im Wandregel, im Wohnzimmerschrank und auf dem Fensterbrett. Drei Miniaturausgaben von „Schatz“ weisen eine Länge von eineinhalb Metern auf. Daneben besitzt die Berlinerin zahlreiche Fotos startender Flugzeuge sowie einige Modelle einer Boeing 777-200 und eines Airbus A3-20. Diese nennt sie „Liebling“ und „Süßer“.

Mit einem Flugzeug zum Höhepunkt

Wie in einem Liebesverhältnis üblich, hat Michelles Beziehung zu „Schatz“ auch eine körperliche Seite. Sie umarmt ihn, kuschelt abends mit ihm auf dem Bett und hat auch ein Sexualleben mit ihm: „Ja, ich habe Sex mit einer Boeing 737-800“, sagte die junge Frau in einem Interview. Zu einem glühenden Liebesverlangen nach einem Mann ist es bei ihr nie gekommen, weil ihr die Gefühle und Geborgenheit fehlten. Doch mit „Schatz“ ist das anders; von ihm fühlt sie sich leidenschaftlich angezogen, sodass die Lust auch zum Orgasmus führt.

Bald unternimmt Michelle eine Reise nach Italien. Den Flug hat sie über eine Billigflieger-Airline gebucht, deren Flotte vollständig aus Boeing 737-800-Modellen besteht. So kann sie ihrem Freund mal wieder ganz nahe sein.

Mehr über die nicht alltägliche Liebe zu einem Flugzeug gibts im folgenden Video zu sehen:

Quelle: YouTUbe/Airlover737

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geschrieben von: Co-Pilotin | Die Flugwelt A - Z, Flughafen Infos | 0 Kommentare