Flug verpasst: Entschädigung wegen Warteschlange an der Sicherheitskontrolle?

Foto Verpasst ein Passagier seine Maschine, kann der Airport mit Schuld sein (Amtsgericht Erding, Az. 8 C 1143/ 16 ).Das Amtsgericht Erding hat den Flughafen München zur Zahlung angefallener Kosten verurteilt, die durch eine überlange Warteschlange am Airport entstanden waren.

Lange Warteschlange an der Sicherheitskontrolle

Verpasst ein Passagier seinen Flug wegen einer überlangen Warteschlange an den Sicherheitskontrollen, muss der Airport einen Teil der Reisekosten erstatten (Amtsgericht Erding Az. 8 C 1143/ 16 ).

Geklagt hatte eine Familie aus Augsburg, die im Oktober 2015  von München nach Istanbul fliegen wollte. Nach dem Check-In hatte sich am Modul C im Terminal 1 des FMG an der Sicherheitskontrolle eine lange Warteschlange gebildet. Geschehen war das um 12.22 Uhr, das Boarding sollte um 13.05 Uhr beginnen, die Startzeit war 13.40 Uhr. Als die Zeit knapp zu werden begann, forderten die Mitarbeiter des Airports die Fluggäste auf, die Kontrolle im Modul B zu nutzen.

Die Familie folgte der Aufforderung, hat jedoch zuvor darauf hingewiesen, dass dadurch womöglich der Flug nicht mehr zu erreichen sei. Die Airport-Mitarbeiter versicherten dem Kläger jedoch, dass er und seine Mitreisenden den Flug erreichen würden. Die Familie schaffte es jedoch nicht mehr rechtzeitig bis zum Abflug und die Maschine hob ohne sie ab.

Die beklagte FMG wies die Forderung des Klägers auf Erstattung der entstandenen Kosten zurück: Es habe keine vertragliche Beziehung zwischen Flughafenbetreiber FMG und dem Fluggast bestanden, sondern der Kläger habe lediglich einen Vertrag mit der Airline gehabt. Damit könne auch keine Vertragsverletzung seitens des Flughafenbetreibers vorliegen, sollten während der Sicherheitskontrolle tatsächlich Pflichten verletzt worden sein.

Airport trägt Mitschuld

Laut Gericht gehört es zu den Pflichten der Betreibergesellschaft des Flughafens, „die effektive organisatorische Abwicklung des Zugangs zum Flug sicherzustellen“. Die FMG hätte also die Sicherheitskontrolle so organisieren müssen, dass es allen Passagieren möglich gewesen wäre, rechtzeitig vor dem Abflug am Gate zu sein.

Das bayerische Gericht sprach den Geschädigten einen Ausgleich in Höhe von 613,96 Euro zu, weil sie wegen der überlangen Warteschlange vor der Sicherheitskontrolle ihren Flug verpassten und erst einen Tag später in den Urlaub starten konnten. Allerdings mussten die Kläger einen Eigenanteil von 20 Prozent zahlen, weil sie sich nicht frühzeitig genug um eine bevorzugte Abfertigung bemüht hatte. Das Urteil ist bereits rechtskräftig.

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geschrieben von: Co-Pilotin | Flughafen Infos, Flugrecht | 0 Kommentare