Der Flughafen Lübeck gehört jetzt Euroimmun-Chef Stöcker

Foto Der Flughafen Lübeckhat einen neuen BesitzerAller guten Dinge sind manchmal auch fünf: Der Flughafen Lübeck hat es innerhalb von elf Jahren auf fünf Betreiber gebracht. Der vorerst letzte Investor  ist Winfried Stöcker, Gründer und Chef der Lübecker Firma Euroimmun.

Neue Hoffnung für den Flughafen Lübeck

Neun Monate nach Insolvenzantrag hat der Lübecker Flughafen einen neuen Eigentümer. Der Chef der Firma Euroimmun, Winfried Stöcker, hat den Krisen-Airport aus der Insolvenz gekauft. Am Montag hat der knapp 70-Jährige mit Insolvenzverwalter Klaus Pannen die Verträge unterzeichnet. Bereits am 1. Juli 2016 soll die Stöcker Flughafen GmbH & Co. KG den Betrieb am Airport in Blankensee übernehmen. Einen Tag zuvor muss die Bremer Bürgerschaft den Verkauf noch absegnen. Stöcker war einer von zuletzt drei Interessenten, mit denen Insolvenzverwalter Pannen viele Monate lang verhandelt hatte. Über den Kaufpreis wurde bisher nichts bekannt.

Der Unternehmer und Euroimmun-Gründer Stöcker will den Airport zunächst für Geschäftsflieger weiterführen und die Betriebsgenehmigung erhalten, mittelfristig aber auch wieder Fluglinien nach Lübeck holen. Am Airport der Hansestadt arbeiten per 1. Juli noch etwa 30 Mitarbeiter – alle anderen werden entlassen. Einige der Flughafenmitarbeiter will Stöcker zudem in seiner Firma einsetzen.

Vor dem weiteren Ausbau des Airports muss jedoch zuallererst das Planfeststellungsverfahren rechtskräftig abgeschlossen werden, das seit Jahren in der Luft hängt.

Stöcker will die Schließung verhindern

Der Flughafen Lübeck musste im vergangenen September Insolvenz anmelden, weil der chinesische Besitzer Chen Yongqiang kein Geld mehr bereitgestellt hatte. Deshalb hat im April der Hauptausschuss der Hansestadt Lübeck dem Verkauf eines Grundstückes aus der Insolvenzmasse des Flughafens zugestimmt, um mit einer dadurch möglichen Brückenfinanzierung den Weiterbetrieb des Airports zu sichern.

Der neue Besitzer Stöcker wollte den Airport auch aus persönlichen Gründen retten: Für sein Unternehmen, das sich in unmittelbarer Nachbarschaft zum Airport befindet, sei es wichtig, dass es für Mitarbeiter und Kunden gut erreichbar sei. „Dann muss ich nicht so früh aufstehen“, sagte Stöcker. Insolvenzverwalter Pannen ist zuversichtlich, dass der „Neue“ seine Sache gut macht: „Ich gehe davon aus, dass der Flughafen nunmehr eine langfristige und gute Perspektive haben wird.“

Der Flughafen Lübeck ist wichtig für die Region

„Lübeck und die beiden Nordländer werden von der Erhaltung und Fortentwicklung des Lübecker Flughafens profitieren“, sagte der neue Geschäftsführer. „Die Region wird in Zukunft attraktiver für Wirtschaft, Wissenschaft und Medizin. Urlauber erreichen uns ohne lange Strapazen, und wir kommen bequemer in den Süden Deutschlands. Die Destinationen der Länder Europas und der anderen Kontinente rücken in unsere Nähe“, fügte er hinzu. Langfristig gesehen will Stöcker den Lübecker Airport in Blankensee ausbauen und elf Millionen Euro investieren. Dafür soll er dann 5,5 Millionen Euro von der Stadt Lübeck erhalten.

Der gebürtige Oberlausitzer Stöcker hat 1987 eine Firma für Labor-Diagnostika mit weltweit rund 2.100 Mitarbeitern mit Hauptsitz in Lübeck gegründet. Der Unternehmer wollte bereits 2012 den Flughafen übernehmen. Von diesen Plänen ist er jedoch wieder abgerückt, nachdem er den von der Stadt geforderten Betriebskostenzuschuss nicht bekam. Stöcker ist nicht völlig unumstritten – er hat sich Ende 2014 in einem Interview mit der „Sächsischen Zeitung“ diskriminierend über Flüchtlinge geäußert und sie unter anderem als „reisefreudige Afrikaner“ bezeichnet. Ein Ermittlungsverfahren gegen den Geschäftsmann wegen Volksverhetzung wurde jedoch wieder eingestellt – sein Verhalten erfülle keinen Straftatbestand. Stöcker hatte sich damals für sein Verhalten entschuldigt.

Kurzportrait Flughafen Lübeck

Der Airport Lübeck-Blankensee, der im Jahr 1917 als „Kaiserliche Flugschule“ für das Militär gegründet wurde, liegt im Süden der Hansestadt Lübeck und hat in seinen besten Zeiten im Jahr 2009 fast 700.000 Passagiere abgefertigt. 2014 waren es noch 169.000 Fluggäste, die den Airport genutzt haben. Nach dem Absprung des irischen Billigfliegers Ryanair hat dann nur noch Wizz Air dem Airport die Treue gehalten.

Der Airport hat bewegte Zeiten hinter sich: Von 2005 bis 2009 war der Infrastrukturkonzern Infratil Mehrheitsgesellschafter des Regionalflughafens. Danach fiel der Flughafen an die Stadt zurück, die den Kaufpreis von rund 27 Millionen Euro erstatten musste. Per Bürgerentscheid wurde damals die Schließung abgewendet. Ende 2012 bekam der ägyptische Geschäftsmann Mohamad Rady Amar den Zuschlag für den Airport, der im April 2014 jedoch seine Anteile verkauft hat und abgetaucht ist. Es folgte die erste Insolvenz des Lübecker Airports, nach der am 1. August 2014 der chinesische Geschäftsmann Chen Yongqiang den Flughafen übernahm. Sein Plan war, in Blankensee eine eine Flugschule anzusiedeln und chinesische Medizintouristen nach Lübeck holen. Der Plan ist schiefgegangen und nach nur einem Jahr musste der Flughafen 2014  zum zweiten Mal Insolvenz anmelden.

Video: Noch im April 2016 war die Zukunft des Lübecker Airport ungewiss

Quelle: YouTube / Lübecker Nachrichten

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geschrieben von: Co-Pilotin | Flughafen Infos | 0 Kommentare