BER: Auch 2017 muss Berlin ohne neuen Hauptstadtflughafen auskommen

Foto: Die Türen des BER bleiben auch 2017 für Passagiere geschlossenJetzt ist offiziell bestätigt, was viele bereits befürchtet haben: Der neue Hauptstadtflughafen Berlin Brandenburg BER wird frühestens 2018 eröffnet. Flughafenchef Karsten Mühlenfeld soll die Probleme mit den Türen schon seit Monaten gekannt haben.

Über tausend Türen müssen neu verkabelt werden

Was alle schon geahnt haben, soll Flughafen-Chef Karsten Mühlenfeld seit Monaten gewusst haben: Die Eröffnung des BER im laufenden Jahr ist unmöglich, weil wegen des Brandschutzes etwa 1.200 Türen neu verkabelt werden müssen. Wenn diese im Brandfall nicht ordnungsgemäß schließen, ist eine planmäßige Entrauchung nicht möglich. Zudem sind eventuell noch Umbauten an der Sprinkleranlage nötig. Falls dort noch Rohre ausgetauscht werden müssen, wären längerdauernde Arbeiten in den Deckenhohlräumen über den Terminalgängen nötig. Das einstige Prestige-Projekt verkommt immer mehr zur Lachnummer.

Mühlenfeld weist Vorwurf zurück

Laut einem BamS-Bericht soll Mühlenfeld absichtlich behördliche Fristen zur Nennung des Eröffnungstermins verstreichen lassen haben und dem Aufsichtsrat des BER noch im Oktober 2016 erklärt haben, dass es völlig ausreichend sei, ein konkretes Datum für die Inbetriebnahme des BER sechs bis neun Monate vorher festzulegen. Angeblich hatte aber die Deutsche Flugsicherung (DFS) eine deutlich längere Vorlaufzeit von mindestens 13 Monaten verlangt, so dass Mühlenfeld bereits im September oder spätestens im Oktober vergangenen Jahres den BER-Eröffnungstermin 2017 hätte absagen müssen.

BER-Eröffnung 2017 ist nicht zu schaffen

Karsten Mühlenfeld weist die Vorwürfe zurück und lässt über den Sprecher der Flughafengesellschaft schriftlich mitteilen, dass bei der Bestimmung eines Eröffnungstermins die Anforderungen aller Projektbeteiligten Beachtung fänden, „auch und insbesondere“ die der DFS. Demnach sei für die erneut verschobene Eröffnung des BER „der neue Sachstand aus dem Baubereich“ ausschlaggebend, über den Mühlenfeld unverzüglich die Anteilseigner und später die Öffentlichkeit informiert habe. In dem Schreiben wird zudem betont, dass unter Mühlenfelds Verantwortung in den zurückliegenden beiden Jahren „Fehler der Vergangenheit am BER korrigiert, das Projekt insgesamt vorangebracht und der regelmäßige Austausch mit relevanten Projektbeteiligten sichergestellt“ worden sei.

Eröffnungstermin: Müller macht Druck

Laut Berlins Regierendem Bürgermeister Michael Müller sei die Geschäftsführung in der Pflicht, die Konsequenzen darzulegen, die sich aus den Problemen mit den mehr als tausend Türen ergeben. Dies soll nun zur der nächsten Sitzung des BER-Aufsichtsrates am 7. Februar 2017 geschehen. Müller zufolge sei auch eine Runde mit beteiligten Firmen im Berliner Roten Rathaus geplant, mit denen die Zusammenarbeit „wieder nicht funktioniert“ habe. Müller forderte die Geschäftsführung auf, im ersten Quartal 2017 wegen der Planungssicherheit den konkreten Eröffnungstermin zu benennen: „Wir brachen mal einen Termin.“

25 Jahre nach Beginn der Planungen ist die Eröffnung zum x-ten Mal verschoben worden. Wer weiß, vielleicht schaffen die Verantwortlichen ja noch ein BER-(Verzugs-)Jubiläum.

Die immer wieder verschobene Eröffnung des Hauptstadtflughafens BER ruft auch die Berliner Jungliberalen auf den Plan. Aus der Sicht der FDP-Nachwuchsorganisation verdient der Pannen-Airport den Namen des Altkanzlers Willy Brandt nicht mehr. Der BER sei endgültig zum Symbol für Chaos und Planungslosigkeit geworden, sagte der Landesvorsitzende Roman-Francesco Rogat. Deshalb sei es ein Unding, dass fals Namensgeber für Projekt ein so erfolgreicher und verdienter Kanzler wie Willy Brandt mit seinem Namen herhalten müsse. Der Senat sollte so schnell wie möglich eine Umbenennung des Flughafens in Erwägung ziehen, so die Forderung Rogats.

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geschrieben von: Co-Pilotin | Die Flugwelt A - Z, Flughafen Infos | 0 Kommentare