Ausraster in Flugzeugen – Tendenz steigend

Foto Vorfälle mit randalierenden Passagieren nehmen zu, meldet der Airline-Verband IATADie Ausraster im Flugzeug haben 2015 weltweit um ein Sechstel zugenommen. Der Airline-Verband IATA fordert nun effizientere Vorsorgemaßnahmen.

75 Prozent der unruly passengers sind Männer

Vorfälle mit randalierenden Passagieren (unruly passengers) haben im vergangenen Jahr um ein Sechstel zugenommen. Das berichtet die International Air Transport Association (IATA). Insgesamt wurden von ihren Mitgliedern im Jahr 2015 10.854 Vorfälle gemeldet – das entspricht einem Ausraster auf jeden 1.205. Flug und einer Zunahme um 17 Prozent gegenüber dem Vorjahr. 2014 waren es 9.316 Passagiere, die kurzzeitig ihre „gute Erziehung“ vergessen haben. Anders ausgedrückt verzeichnet die IATA auf 100.000 Flüge gerechnet 83 auffällige Passagiere im vergangenen Jahr. Bei der überwiegenden Anzahl der austickenden Passagiere – nämlich in 75 Prozent aller Vorfälle – handelt es sich um Männer. Alkohol und Drogen sind die Hauptgründe für unangemessenes Verhalten über den Wolken – fast ein Viertel steht damit im Zusammenhang. Diese Angaben könnten sogar noch höher liegen – die Zahl der nicht gemeldeten Ausraster im Flugzeug soll laut Brancheninsidern erheblich sein.

IATA fordert präventive Maßnahmen

Die meisten Ausraster sind verbalen Entgleisungen und teils heftige Weigerungen, den Anweisungen der Crew Folge zu leisten. Handgreiflichkeiten spielen laut IATA bei elf Prozent der Vorfälle eine Rolle.

IATA-Chef Alexandre de Juniac will auf die gestiegenen Zahl Fälle reagieren und effektivere Vorsorgemaßnahmen treffen. Laut Airline-Verband steht dabei die Verhinderung exzessiven Alkoholkonsums ganz oben auf der Prioritätenliste. Ein großer Teil der Passagiere betrinke sich bereits vor dem Flug, daher dürfe sich die Prävention nicht auf den Alkoholausschank an Bord beschränken. Vielmehr müsse sie auch auf die Restaurants am Flughafen sowie auf die Duty-free-Shops ausgeweitet werden. Eine von der britischen Ferienfluggesellschaft Monarch Airlines gestartete Initiative am zweitgrößten Londoner Flughafen Gatwick habe bewiesen, dass sich durch derartige Maßnahmen die Zahl der Zwischenfälle an Bord um die Hälfte senken lasse.

Fliegen ist eine Ausnahmesituation

Mehr als die Hälfte der 265 IATA-Mitglieder berichten, dass in den zurückliegenden fünf Jahren die Häufigkeit von Randale an Bord zugenommen habe. 40 Prozent der IATA-Airlines mussten deshalb im Jahr 2015 sogar einen Flug umleiten. Abgesehen von den Unannehmlichkeiten für die Passagiere sind die Kosten für einen umgeleiteten Flug immens: Experten haben herausgefunden, dass das Umleiten eines Langstreckenfluges etwa 200.000 Dollar kostet. Und da sind die Entschädigungen für verpasste Anschlussflüge und lange Wartezeiten bzw. Hotelübernachtungen noch nicht mitgerechnet.

Jährlich heben weltweit fast 40 Millionen Flüge ab

Was lässt Menschen an Bord neben einem Zuviel an Alkohol oder dem unstillbaren Verlangen nach einer Zigarette noch außer Rand und Band geraten? Eigentlich sind es vermeintliche Kleinigkeiten, doch ein zu geringer Sitzabstand und viele Menschen mit unterschiedlichsten Sitten und Gebräuchen auf engstem Raum lösen bei einigen Passagieren Stress-Symptome aus. Hinzu kommt Flugangst sowie die Tatsache, dass Fliegen eine Ausnahmesituation ist, aus der es vor allem auf Langstreckenflügen kein Entrinnen gibt. Und so kommt es, dass der Streit um eine zu weit nach hinten gekippte Rückenlehne in Sekunden eskalieren kann oder das Kabinenpersonal angepöbelt wird.

Video: Das blüht Ihnen, wenn Sie sturzbetrunken in den Flieger steigen

Quelle: YouTube / Luis Ward

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geschrieben von: Co-Pilotin | Die Flugwelt A - Z, Flughafen Infos | 0 Kommentare