Per Sichtflug in die Heimat

Hunderttausende von Touristen hat der Vulkanausbruch am Eyjafjallajökull sprichwörtlich an die Flughäfen geheftet – sie warten und hoffen darauf, nach Hause zu gelangen, wichtige Termine einhalten zu können und dem Gedränge der Massen zu entkommen.

Seit dem 15. April wurden in Europa kontinuierlich immer mehr Flüge gestrichen. Die 16 internationalen Flughäfen in Deutschland wurden geschlossen, schließlich sperrte die Deutsche Flugsicherung (DFS) den gesamten deutschen Flugraum. Aktuell ist dieses Flugverbot bis heute Abend 20 Uhr verlängert.

Diese Sperrung gilt jedoch nicht für den gesamten Flugbetrieb: So sind Sichtflüge trotz Flugverbot erlaubt und werden jetzt von den Airlines vermehrt eingesetzt um deutsche Urlauber aus ihren Reisezielen abzuholen. Bei einem Sichtflug hält der Pilot den Flieger in einer niedrigen Höhe und orientiert sich vordergründig an dem, was er sieht: Beim sonst üblichen Instrumentenflug wird die Fluglage über die Geräte an Bord weitestgehend kontrolliert. Beim Sichtflug hingegen hat der Pilot die vollständige Überwachung des Flugraumes inne – see and avoid ist der Grundsatz.

Spezielle Vorschriften sollen dabei die Risiken minimieren: So ist das Fliegen durch Wolken verboten, auch Regelungen zum Ausweichen sind festgesetzt. Hilfe stellen zudem Fluglotsen, welche ebenfalls auf Positionen und Abstand der Flieger achten. Ein besonderer Aspekt der Sichtflüge ist die Haftung: Der Pilot allein ist für die Sicherheit der Maschine – und damit auch für die der Passagiere – verantwortlich. Entsprechend entscheidet er über etwaige Risiken und kann, wenn es die Lage erfordert, den Flug abbrechen oder die Flugroute ändern.

Tausende von Touristen sollen auf diese Weise von der Warterei erlöst werden. Bisher starteten Sichtflüge u.a. von Air Berlin, Condor, TUI und der Lufthansa. TUI cancelte dafür sogar sämtliche Abflüge bis Dienstag 24 Uhr – das Rückholen der zahlreichen gestrandeten Urlauber hat für die Fluggesellschaft absoluten Vorrang.

Das Sichflug-Problem: Viele Experten, besonders die Pilotengewerkschaft Vereinigung Cockpit, lehnen Sichtflüge ab – die Flugbewegungen seien unverantwortlich angesichts der mangelnden Sicherheit im Luftraum. Immerhin können die Maschinen auch bei Sichtflügen die Aschewolke durchqueren. Selbst wenn diese nicht als eine dichte Ballung erscheint und die Sicht nicht behindert, können die Schmutzpartikel die Triebwerke der Flugzeuge beschädigen. Die Sicherheit solcher Flugbewegungen bleibt daher fragwürdig.

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