Neue Wege bei der Bordunterhaltung – iPad-Verleih an Bord

Viele Passagiere, vor allem Vielflieger und junge Leute, sorgen im Flugzeug bereits selbst mit mobilen Abspielgeräten für ihre Unterhaltung. Bei vielen Airlines stellt man sich deshalb die Frage, ob sich die Installation komplexer Systeme der Bordunterhaltung überhaupt noch lohnt.

Passagiere hören mitgebrachte Musik oder schauen auf eigenen Geräten ihre Lieblingsfilme. Diesen Trend beobachten zahlreiche Airlines. „Die Anzahl der Passagiere mit mobilen Abspielgeräten an Bord steigt”, heißt es auch beim deutschen Ferienflieger Condor. Lohnt sich also die Installation komplexer Systeme der Bordunterhaltung für die Fluggesellschaften überhaupt noch? „Ja, die Mehrheit der Kunden hat weiterhin keine eigenen Geräte dabei und genießt das Bordprogramm”, sagt Peter Tomasch, Sprecher von Singapore Airlines, die ein sehr umfangreiches Entertainment bietet. Auch Michael Lamberty von Lufthansa spricht sich für die Beibehaltung des Bordangebots aus. „Auf passagiereigenen Geräten können nämlich nach wie vor keine aktuellen Spielfilme gesehen werden”, so Lamberty, legal funktioniere dies erst sechs Monate nach dem Kinostart, während die Airlines früher die neuen Streifen im Angebot haben.
Für die Airlines ist die fest installierte Bordunterhaltung dennoch nicht so ohne: Viele Meter Kabel müssen zu jedem Platz in der Kabine verlegt werden, was das Gewicht und damit die Kosten in die Höhe treibt. Hinzu kommen ein bis zwei bordeigene Server, um die angebotenen Filme und Musikstücke speichern zu können, die zusätzlich auch noch unerwünschte Wärme abgeben, störanfällig sind und kostbaren Platz an Bord belegen. Daran hat sich in den vergangenen zehn Jahren kaum etwas geändert. Ebensowenig hat sich bei der technischen Weiterentwicklung getan. Völlig anders verhält es sich bei der Unterhaltungs- und Kommunikationsausstattung am Boden. Hier gehören Smartphones, MP3-Player und seit kurzem auch iPads zur Grundausstattung trendbewusster Nutzer. Und die nehmen ihre eigenen Geräte selbstverständlich mit ins Flugzeug, um sie dort auch zu nutzen.
Deshalb gehen viele Airlines jetzt neue Wege in der Bordunterhaltung. Die Idee ist, statt die Bordunterhaltung fest zu installieren, lieber mobile Geräte mit einer hohen Attraktivität für die Nutzer auszuleihen.
So plant Jetstar, gegen Jahresende iPads auf allen Jetstar-Routen anzubieten. Die Schweizer Regionalfluggesellschaft Sky Work Airlines bietet als erster europäischer Carrier seit kurzem iPads an Bord an. Bisher setzen Gesellschaften wie Bmi, El Al, Jet2, Air Astana, Air Baltic, Iceland Express und auch die deutsche Condor (nur auf Langstrecken in der Comfort Class) auf die Ausgabe von Abspielgeräten, wenn auch bisher keine iPads. Ryanair hingegen war vor zwei Jahren mit der Einführung kostenpflichtiger „Digiplayer” gescheitert, auf Kurzstrecken erwies sich die Nachfrage als zu gering. Air Berlin dagegen hat jetzt die Vorteile sogenannter Handhelds entdeckt. Anstatt ihr bordeigenes System auf den mit Airbus A330 bedienten Langstrecken aufwändig zu überarbeiten, setzt Deutschlands zweitgrößte Gesellschaft ab September auf tragbares Entertainment.
Die Zukunft liegt in der Vernetzung von Unterhaltung und Kommunikation. „Das Bedürfnis, immer ‘online’ zu sein, wächst stetig und ist für unsere Kunden von hoher Bedeutung”, sagt Lufthansa-Sprecher Michael Lamberty. Die Airline will dabei bereits ab September zunächst auf Nordatlantikstrecken für neue Maßstäbe sorgen, wenn das FlyNet genannte Breitband-Internetangebot erstmals seit der Abschaltung des früheren Systems wieder verfügbar sein wird.
Zudem erreicht die Digitalisierung jetzt auch bisher gedruckte Medien im Flugzeug: Seit Anfang August bietet Singapore Airlines als erste Gesellschaft weltweit ihr Bordmagazin digitalisiert an.

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