Nacktscanner, Toiletten-Verbot, mehr Personal – Wohin führt die Debatte um Flug-Sicherheit?

Der Brandstifter in der US-Maschine nach Detroit konnte gestoppt werden, aber die durch ihn entfachte Diskussion um Flug-Sicherheit brennt lichterloh: In den USA wurden schnell die Sicherheitsbestimmungen verschärft, in Deutschland wird fleißig kontrolliert und diskutiert. Kommt jetzt doch der Nacktscanner?

In Sachen Sicherheit verstehen die USA keinen Spaß. Hier wurden nicht nur die Sicherheitsprüfungen vor dem Flug ausgeweitet, auch an Bord müssen sich die Passagiere nun an strenge Regeln halten. Vor Besteigen des Flugzeugs passieren Fluggäste die Metalldetektoren gleich zwei Mal, zusätzlich werden sie gründlich abgetastet und ihr Gepäck von Hand durchsucht.

An Bord müssen Fluggäste in der letzten Stunde vor der Landung angegurtet sitzen bleiben. Auch Toilettengänge sind in dieser Zeit nicht erlaubt. Alle persönlichen Gegenstände müssen in den Handgepäckfächern verstaut werden, außerdem ist es auf einigen Strecken untersagt, Decken, Kissen oder Bücher auf den Schoß zu legen.

Durch diese Sicherheitsmaßnahmen soll verhindert werden, dass Terroristen in der Bord-Toilette Plastiksprengsätze aus Chemikalien mischen, die bei Kontrollen auf Flughäfen mit herkömmlichen Scannern bisher nicht entdeckt werden können. So findet wieder der umstrittene Nacktscanner Eingang in die Diskussion, der zwar versteckte Waffen und Sprengstoffe jeder Art darstellt – aber eben auch den unbekleideten Körper von Fluggästen.

Das nackte Überleben

Bereits 2008 wollte die EU Nacktscanner an Flughäfen zulassen, doch die Bundesregierung reagierte empört: Diese seien „Unfug“, auch seien die Polizisten der Bundespolizei keine Spanner, erklärte damals Bundesinnenminister Wolfgang Schäuble. Ein gescheitertes Attentat später werden bereits erste Forderungen nach dem Einsatz der potenten Durchleuchtungsgeräte laut.

So sagte der bayerische Innenminister Joachim Hermann der „Bild“-Zeitung: „Wenn die Nacktscanner ein zusätzliches Maß an Sicherheit bringen und nicht unzumutbar die Intimsphäre verletzen, müssen wir über eine Einführung jetzt neu nachdenken.“ Auch der Parlamentarische Geschäftsführer der FDP-Bundestagsfraktion, Jörg van Essen, warb bei einem Interview mit dem WDR für den Eisatz der Geräte. So gebe es inzwischen eine neue Generation von Scannern, die es erlaube, die Würde der Passagiere zu wahren.

Tatsächlich arbeitet die Bundespolizei seit rund einem Jahr an einer moralisch vertretbaren Variante der umstrittenen Körperscanner. Noch ist offen, wie lange die Tests dauern werden, aber es scheint, als würden uns die Scanner eines Tages doch vor die Nase gesetzt werden. In der Zwischenzeit setzt man auf verstärkte Abtastungen per Handscanner, die zuletzt nur noch in Einzelfällen durchgeführt wurden. Doch kann das Flughafenpersonal den erhöhten Sicherheitsbestimmungen gerecht werden?

Gefragt ist das Personal

Den Ruf nach mehr Personal wies eine Sprecherin der Bundespolizei zurück. Das vorhandene Personal an den Flughäfen reiche für die zusätzlichen Kontrollen aus. Allerdings könne eine bessere Bezahlung der Mitarbeiter privater Kontrolldienste an den Flughäfen nach Ansicht eines Polizeiexperten die Sicherheit im Luftverkehr verbessern. „Wer Luftsicherheit will, der muss auch begreifen, dass das etwas kostet“, sagte Josef Scheuring, Chef der Bundespolizei in der Gewerkschaft der Polizei (GdP) in Hilden, am Montag der dpa. Angesichts immer neuer Herausforderungen durch Terrorgefahren seien engagierte Mitarbeiter im Sicherheitsbereich, die sich auf neue Situationen einstellen können, wichtiger als alle Technik.

Passagiere müssen sich nun erst einmal auf längere Wartezeiten an den Sicherheitskontrollen einstellen. Daher sollten sie unbedingt überpünktlich am Flughafen erscheinen. Die gute Nachricht ist: Trotz der verschärften Sicherheitsvorkehrungen, speziell für Flüge in die USA, kam es bisher zu keinen größeren Verspätungen an deutschen Airports.

geschrieben von: Co-Pilotin | Allgemein | 6 Kommentare