Nackte Tatsachen am Flughafen Amsterdam: Niederlande führen Body-Scanner ein

Sicherheit vor Privatsphäre: Die Niederlande führen als erstes europäisches Land „Nacktscanner“ für die Sicherheitskontrollen am Flughafen ein. Bereits in drei Wochen sollen die ersten Scanner standardmäßig eingesetzt werden, zunächst aber nur auf US-Flügen ab Amsterdam Schipol.

Am Flughafen Schiphol in Amsterdam wird bereits seit einigen Monaten die neueste Scanner-Generation, sogenannte „16 Millimeter-Wave-Scanner“, auf innereuropäischen Flügen getestet. Bisher ist es Passagieren aber freigestellt, ob sie sich scannen lassen wollen oder die herkömmliche Sicherheitskontrolle passieren. Wie die niederländische Justizminister Ernst Hirsch Ballin am Dienstagabend in einem Telefongespräch mit US-Heimatschutzministerin Janet Napolitano verkündete, soll die Durchleuchtung schon bald obligatorisch werden.

In den Niederlanden seinen die Tests mit den neuen Scannern insgesamt so erfolgreich verlaufen, dass sie zum standartmäßigen Einsatz geeignet seien, erklärte Ad Rutten, Betriebsdirektor des Amsterdamer Airports Schiphol, gegenüber der Zeitung «de Volkskrant» vom Dienstag. Nach Meinung der Sicherheitsexperten sei der Attentäter der Detroit-Maschine mit einem Body-Scanner wahrscheinlich entdeckt worden, so Rutten weiter.

Nach den Plänen der Regierung sollen die Body-Scanner zunächst auf allen Flügen in die USA eingesetzt werden, um später auf allen niederländischen Airports für Sicherheit zu sorgen. Fast alle niederländischen Parteien erklärten, sie würden den Einsatz der Scanner unterstützen, weil die Sicherheit von Flugreisenden Vorrang haben müsse vor Bedenken über die Verletzung der Privatsphäre. Zugleich forderte die Regierung in Den Haag die Europäische Union auf, die Geräte europaweit zuzulassen.

In Deutschland hegen Datenschützer Bedenken an der moralischen Vertretbarkeit der sogenannten „Nacktscanner“, da sie neben Waffen und Sprengsätzen auch die genaue Körperform, Implantate, Prothesen und sogar künstliche Darmausgänge sichtbar machen. Seit von der neuen Gerätegeneration mit Millimeter-Wave-Technik die Rede ist, die ausschließlich anonymisierte Bilder erzeugen soll, wird der Widerstand der Politik allerdings geringer.

Bundesinnenminister Thomas de Maizière (CDU) etwa ist offen für den Einsatz von Körper-Scannern, wenn diese sich als gesundheitlich unbedenklich erwiesen und die Persönlichkeitsrechte der Passagiere „vollumfänglich“ wahrten. Entsprechende Tests führt die Bundespolizei bereits seit einiger Zeit in ihrem Lübecker Forschungszentrum durch.

Anonymisierte Darstellung hin oder her: In einer aktuellen Umfrage bei tagesschau.de sprechen sich etwa zwei Drittel der Deutschen gegen den Einsatz von Körperscannern aus. Hierzulande geht Privatsphäre eben doch noch vor Terror-Hysterie.

geschrieben von: Co-Pilotin | Allgemein | 1 Kommentar