Warum Airlines überbuchen und welche Rechte ein Fluggast hat

Foto Das Überbuchen von Flügen ist gängige PraxisEs kommt vor, dass ein Flieger fast leer ist, andere sind bis auf den letzten Platz besetzt. Doch was ist, wenn mehr Passagiere in den Flieger wollen, als Sitzplätze vorhanden sind? Welche Rechte hat der Fluggast bei Überbuchung?

Größter Shitstorm in der Geschichte von United

Auf einem Flug von United Airlines führte Überbuchung dazu, dass ein Passagier gewaltsam aus der Maschine gezerrt wurde. Doch warum Airlines tun Fluggesellschaften das? Und welche Rechte hat man in solch einem Fall als Passagier?

Vor einigen Tagen wollte United Airlines, einem Start-Alliance-Mitglied, auf einem überbuchten Flug von Chicago nach Louisville noch eine vierköpfige Crew mit an Bord nehmen und hat deswegen vier Passagier gesucht, die für 800 Dollar Entschädigung sowie eine gratis Hotelübernachtung freiwillig die Maschine verlassen wollen. Drei Fluggäste nahmen das Angebot an, der vierte, zufällig ausgewählte Kunde wurde schließlich gewaltsam aus der Maschine gezerrt. Dieser hatte sich zuvor gewehrt und erklärt, er sei Arzt und müsse nach Louisville, um für seine Patienten da zu sein. Videos und Fotos dieser Szenen an Bord verbreiteten sich rasant übers Netz und lösten trotz mehrfacher Entschuldigungsversuche durch die Airline einen Mega-Shitstorm aus.

Warum werden Flüge überbucht?

Das Überbuchen ist nicht nur bei United Airlines Usus, es ist die alltägliche Praxis bei Fluggesellschaften, dass einige Passagiere am Boden bleiben müssen und auf einen späteren Flug umgebucht werden. „Geködert“ werden diese meist mit einem Upgrade oder mit einen Voucher.

Blieben Plätze in der Maschine unbesetzt, würden den Airlines Einnahmen entgehen – und doppelt vergebene Sitzplätze werden in den meisten Fällen auch doppelt bezahlt, weil bei einigen Tarifen oder einem vom Passagier selbst verschuldeten Verpassen des Flugs die Airlines das Geld zumeist behalten können. Der Plan mit dem Überbuchen geht oftmals  auf, weil es wie für so vieles auch für das Überbuchen Statistiken gibt. An Hand derer werden dafür geeignete Flüge ausgewählt. Wer auf Nummer sicher gehen will und unter keinen Umständen am Flughafen zurück bleiben will, sollte getreu dem Motto „rechtzeitiges Kommen sichert die (besten) Plätze“ so früh wie möglich am Gate erscheinen.

Passagierrechte bei Überbuchung

Zumeist versuchen die Fluggesellschaften, Passagiere mit diversen Extras davon zu überzeugen, freiwillig auf das Mitfliegen zu verzichten und einen späteren Flug zu nehmen. Neben einem Upgrade oder einem Gutschein für einen Ticketkauf bei der Fluggesellschaft gehört oftmals auch die Übernachtung im Hotel dazu. Ist das nicht nötig, weil der nächste geeignete Flug zeitnah abhebt, bietet die Airline als „Entschädigung“ auch Essensgutscheine für Restaurants im Terminal an. Das wiederum ist reine Abzocke, weil das jedem der betroffenen Fluggäste sowieso zusteht. Es ist völlig irrelevant, ob man wegen Überbuchung warten muss oder sich der gebuchte Flieger verspätet.

Wer wegen Überbuchung seinen Flug nicht rechtzeitig antreten kann, kann zudem eine finanzielle Entschädigung geltend machen. Das sind je nach Streckenlänge und Wartezeit 250, 400 oder 600 Euro. Wer weniger als drei Stunden auf den Ersatzflug warten muss hat zumindest Anspruch auf die Hälfte des Geldes. Unbedingt beachten sollte man, dass unter Umständen auch Schadensersatz gegenüber der Fluggesellschaft geltend gemacht werden kann. In diesem Fall muss man den entstandenen Schaden jedoch durch Belege nachweisen. Das könnte beispielsweise dann der Fall sein, wenn ein Passagier am Zielflughafen einen Leihwagen bestellt hat und diesen wegen der späteren Ankunft nicht rechtzeitig abholen kann.

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geschrieben von: Co-Pilotin | Airline News, Die Flugwelt A - Z | 0 Kommentare