Sind Airlines verpflichtet, stornierte Tickets zu erstatten?

Foto Ein Urteil des Landgerichts Frankfurt (Az.: 2-24 S 178/15) bestätigt, dass Airlines stornierte Tickets oftmals komplett erstatten müssenEin Urteil des Landgerichts Frankfurt zum Flugrecht erklärt erneut den Ausschluss einer Kompletterstattung bei Ticket-Stornierungen für unzulässig. Unter welchen Umständen der gesamte Ticketpreis erstattet werden muss, lesen Sie hier.

Airline muss nicht nur Steuern und Gebühren erstatten

Viele Fluggesellschaften verweigern bei der Stornierung von Tickets die Erstattung des kompletten Preises. Doch das ist oftmals nicht rechtens, wie ein Urteil des Landgerichts Frankfurt (Az.: 2-24 S 178/15) bestätigt. Demnach kann ein Passagier im Falle einer Stornierung nicht nur Steuern und Gebühren zurückfordern, sondern in vielen Fällen den gesamten Ticketpreis. Das gilt vor allem dann, wenn die Airline nicht beweisen kann, dass sie das stornierte Ticket nicht an einen anderen Flugreisenden weiterverkaufen konnte. Wenn der Fluggesellschaft durch die Stornierung also kein wirtschaftlicher Schaden entsteht und die Sitze nicht leer bleiben, ist nach Ansicht der Richter der Komplettpreis für das Ticket zu erstatten. Anderslautende Klauseln in den Allgemeinen Geschäftsbedingungen (AGB) der Airlines würden die Kunden unangemessen benachteiligen.

Oft schließen die Airlines in ihren AGB die Erstattung des vollen Ticketpreises vor allem bei günstigen Tarifen aus. Landet solch ein Fall vor Gericht, bekommen die Passagiere in den meisten Fällen Recht.

Airline muss wirtschaftlichen Schaden beweisen

Die Richter am Landgericht Frankfurt hatten über folgenden Fall zu entscheiden: Ein Passagier der Lufthansa hatte zweieinhalb Monate vor Antritt der Reise sein Ticket storniert und den kompletten Ticketpreis von der Airline zurück gefordert. Diese behielt das Geld jedoch ein. Zu Unrecht, befand das Gericht: Lufthansa habe trotz der zehnwöchigen Frist keine Auskunft darüber erteilt, ob sie das Ticket anderweitig verkaufen konnte.

Grundsätzlich muss der „Besteller“ im Fall der Kündigung eines Vertrages dem Produzenten oder Dienstleister die angefallenen Aufwendungen erstatten. Er muss beweisen, dass keine Aufwendungen entstanden sind. Anders verhält es sich bei Beförderungsverträgen in der Luftfahrt: Hier liegt die Beweispflicht bei der Fluggesellschaft – sie muss offenlegen, welche Aufwendungen ihr durch die Stornierung entstanden sind und ob sie den stornierten Flug mindestens zum gleichen Preis noch einmal verkauft hat. Kann die Fluggesellschaft darüber keine Auskunft geben, muss sie dem Passagier den vollen Ticketpreis erstatten.

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geschrieben von: Co-Pilotin | Airline News, Flugrecht | 0 Kommentare