Pilotenstreik bei der Lufthansa: Eine Chronologie

Gestern ist der Streik der Lufthansapiloten in die 13. Runde gegangen. Am selben Tag war ein Versuch der Lufthansa, den Arbeitskampf vor den Arbeitsgerichten Frankfurt und Köln zu stoppen, misslungen. Doch wer weiß bei den zerstrittenen Fronten eigentlich noch, wie alles anfing?

Begonnen wurde der Streik mit der Arbeitsniederlegung bei Langstrecken- und Cargoflügen, am heutigen Streiktag sind die Kurz- und Mittelstrecken der Lufthansa dran. Wie das bei Fehden so ist, weiß irgendwann keiner mehr, warum sich überhaupt gestritten wird. Zumindest die Außenstehenden.

Worum geht es bei dem Streik? Eine kleine Auffrischung

Über drei Punkte wird sich die Pilotengewerkschaft Vereinigung Cockpit (VC) mit der Lufthansa nicht einig:

1.) Übergangsversorgung (ein Solidartopf): Das frühstmögliche Rentenalter soll angehoben werden und die Piloten mehr an der Finanzierung des Solidartopfs beteiligt werden. Soweit die Position der Lufthansa.

2.) Betriebsrente: Die Lufthansa ist aus der bisherigen Vereinbarung ausgestiegen. In der Konsequenz würden neu eingestellte Piloten nichts bekommen. Für die Piloten, die zum Zeitpunkt der noch geltenden Vereinbarung beschäftigt waren, ändert sich nichts.

3.) Vergütung: Die in Frankfurt sitzende VC will 10 % mehr Gehalt für 24 Monate bekommen, die Lufthansa eine auf den Geschäftserfolg basierende Steigerung und ab 2016 dann 3 % mehr Gehalt zahlen.

So fing das Schlamassel an

Vom 2. bis 4. April 2014 sorgten die am Streik teilnehmenden Piloten dafür, dass bei der Lufthansa im Prinzip nichts mehr ging. In den drei Tagen kam es zu 3.800 gestrichenen Flügen, 425.000 Passagiere blieben am Boden und standen sich am Flughafen die Füße platt, wenn sie nicht zu Hause geblieben waren. Diese erste Streikwelle des noch andauernden Tarifkonflikts war in der Geschichte der Lufthansa die bisher heftigste.

Am 29. August desselben Jahres legten die Piloten bei Germanwings zum zweiten Mal die Arbeit nieder. Durch den eintägigen Streik fielen bei der Lufthansa-Tochter 116 Flüge aus und 15.000 Fluggäste mussten Urlaube und Geschäftstermine verschieben.

Streikintensiver September und Oktober bei der Lufthansa

Eine knappe Woche später, am 5. September, streikten die Piloten am Flughafen Frankfurt, betroffen waren Kurz- und Mittelstreckenflüge. Etwa 200 Flüge konnten nicht angetreten werden und 25.000 Passagiere sehnten das Ende herbei. Am 10. September nahm sich die VC den Flughafen München vor, so dass 140 Flüge ausfielen und 15.000 Bucher ihre Flieger nicht von innen sahen. Ca. drei Wochen danach, am 30. September, waren die Langstreckenflüge vom Flughafen Frankfurt dran. „Nur“ 50 Flüge fielen bei der Lufthansa weg, dafür traf es 20.000 Passagiere.

Am 8. und 9. Oktober traf es erstmals die Frachtflüge bei Lufthansa Cargo. Der Ausstand tat der Lufthansa nicht weiter weh. Glück gehabt. In ganz Deutschland fielen am 16. Oktober 100 Germanwingsflüge aus. 13.000 Menschen konnten ihre Flüge nicht antreten. Der 20. und 21. Oktober dienten zunächst der Bestreikung der Kurz- und Mittelstreckenflüge, am zweiten Streiktag kamen die Langstrecken der Lufthansa dazu. Diesmal mussten 166.000 Menschen umplanen.

November

Kein(e) Streik(s). Was war denn in Frankfurt los?

So verlief der Streik im Dezember

Bei einem deutschlandweiten Streik wurden 1.350 Flüge abgesagt, das merkten dann ungefähr 150.000 Fluggäste. 60 Langstrecken- und Frachtflüge wurden am 4. Dezember nicht ausgeführt. Darunter litten 12.000 Passagiere der Lufthansa. Nett: Über die Feiertage und den Jahreswechsel wurde nicht gestreikt. Wo blieb bitte der Einsatz? Den Passagieren konnte es egal sein, die freuten sich.

Neues Jahr, neue Streiks bei der Lufthansa

Etwa sechs Wochen zogen ins Land, bevor die in VC wieder zuschlug: Am 12. und 13. Februar wurden 338 Flüge von der Lufthansa abgesagt. Davon betroffen waren um die 30.000 Passagiere. An drei Tagen wurde vom 18. bis 21. März von den Piloten die Arbeit niedergelegt. Erst waren Kurz- und Mittelstreckenflüge und 80.000 Kunden die Opfer, dann Langstrecken und Frachtflüge mit 18.000 Passagieren und zuguterletzt noch einmal die Mittel- und Langstrecken.

Ein ruhiger Sommer

Am 6. Juli ließen die Piloten verlauten, dass sie die im Mai begonnene Schlichtung als gescheitert ansehen. Ende des gleichen Monats legten sie der Lufthansa Ideen vor, die 400 Millionen Euro an Einsparungen gebracht hätten. Ein weiterer Streik war erst einmal nicht vorgesehen. Am 5. August äußerte sich der Lufthansa-Chef positiv zu den VC-Vorschlägen. Dennoch bewegte sich nichts, weshalb die Pilotengewerkschaft am 2. September die Gespräche abermals für gescheitert erklärte. Daraufhin folgte der aktuelle Streik.

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geschrieben von: Flugbegleiter | Airline News | 0 Kommentare