Lufthansa und Cockpit legen Tarifkonflikt bei

Foto Lufthansa und die Pilotengewerkschaft Vereinigung Cockpit haben ihren Tarifstreit beigelegtLufthansa und die Pilotengewerkschaft Vereinigung Cockpit (VC) haben ihren Tarifstreit beigelegt und einen Schlichterspruch akzeptiert. Dieser lässt aber wichtige Streitpunkte unberührt.

Teillösung im jahrelangen Tarifkonflikt zu Lasten der Flugbegleiter

Die Lufthansa und ihre Piloten haben ihren ihren seit April 2014 ausgetragenen Tarifkonflikt vorerst beigelegt und den Lösungsvorschlag eines Schlichters angenommen – beide Seiten verständigten sich auf eine Gehaltserhöhung. Nun müssen die VC-Mitglieder in einer Urabstimmung über die Annahme des Schlichterspruchs entscheiden – das Ergebnis soll Ende März bekannt gegeben werden. Laut VC verlange der Schlichterspruch jedoch von den Piloten „maximale Kompromissbereitschaft“.

Kritik an der Einigung kommt vom Kabinenpersonal: Lufthansa will wegen der zu erwartenden Millionenkosten nun 40 neue Flugzeuge außerhalb des Konzerntarifvertrags einsetzen und dadurch die Kosten kompensieren. Derzeit ist noch nicht klar, ob es sich dabei um zusätzliche Maschinen handelt oder um Ersatzjets für die bestehende Flotte. Einzelheiten zum Betrieb dieser Flugzeuge will die Lufthansa demnächst veröffentlichen. Bekannt ist bisher nur, dass die Beschäftigungsperspektiven des Boden- und Kabinenpersonals laut Lufthansa nicht belastet würden. Für die Flugbegleiter-Organisation Ufo ist diese Zusicherung zweifelhaft. Die Folgen des nun gefundenen Schlichterspruchs seien ein Super-Gau, sagte Ufo-Tarifvorstand Nicoley Baublies. In Folge der nicht erzielten Gesamtlösung würden Arbeitsplätze des Boden- und Kabinenpersonals gleich mit ausgelagert.

Lufthansa-Piloten streikten seit 2014 insgesamt 14 mal

Lufthansa hat einer Gehaltserhöhung für die etwa 5.400 Piloten im Konzerntarifvertrag von Lufthansa, Lufthansa Cargo und Germanwings in vier Stufen von insgesamt 8,7 Prozent zugestimmt. Zusätzlich gibt es eine Einmalzahlung in Höhe von rund 30 Millionen Euro, die mit durchschnittlich 5.000 bis 6.000 Euro pro Vollzeitbeschäftigtem ausgeschüttet werden soll. Die Verträge haben eine Laufzeit bis Ende 2019.

Bestandteil der Schlichtung waren ausschließlich die Piloten-Gehälter. Ausgeklammert wurden hingegen strategische Themen, über die sich Lufthansa und Cockpit ebenfalls streiten: Die Gespräche über die Fragen zum Vorruhestand und den Betriebsrenten wollen beide Seiten nach Angaben der Lufthansa fortsetzen, um Kostensenkungen im Rahmen einer Gesamtlösung zu erreichen. Zudem will Lufthansa nach Möglichkeiten suchen, Flugzeuge von Piloten fliegen zu lassen, die nicht zu den Konditionen des Konzerntarifvertrags beschäftigt sind. Aktuell ist es so, dass bei allen Lufthansa-Töchtern wie SWISS, Austrian Airlines, Brussels Airlines und Eurowings den Piloten niedrigere Gehälter gezahlt werden. Die Piloten, die zu den Konditionen des Konzerntarifvertrages entlohnt werden, befürchten, dass sie wegen der Konkurrenz von schlechter bezahlten Kollegen in der Lufthansa Group künftig erpressbar werden.

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geschrieben von: Co-Pilotin | Airline News, Die Flugwelt A - Z | 0 Kommentare