Lufthansa pusht Eurowings und baut um

Foto Eurowings bekommt im Lufthansa-Konzern eine SchlüsselstellungDer Lufthansa-Aufsichtsrat hat einer neuen Führungsstruktur zugestimmt. Ziel des Konzernumbaus ist es, bis 2018 pro Jahr 500 Millionen Euro einzusparen.

Ziel: Einsparungen von einer halben Milliarde Euro bis 2018

Lufthansa will mit einer neuen Unternehmensstruktur Kosten sparen. Die vom Lufthansa-Aufsichtsrat beschlossenen Sparmaßnahmen – weniger Führungskräfte, neue Aufgabenverteilung und Aufwertung der Eurowings – sollen Einsparungen von 500 Millionen Euro pro Jahr bringen. Angesichts der zunehmenden Konkurrenz durch Golf-Airlines und Billigflieger gebe es laut Lufthansa keine Alternative zum Konzernumbau. Die Eurowings steht jetzt gleichberechtigt neben der traditionellen Lufthansa. Der Aufsichtsrat hat den Plänen von Vorstandschef Carsten Spohr – der Ex-Pilot bleibt in dieser Position – zugestimmt, den Konzern in drei Säulen zu organisieren. Künftig gibt es die Bereiche Premium-Airlines (Lufthansa, Swiss, Austrian), den Bereich der Billigplattformen (Eurowings einschließlich Germanwings) sowie die Luftverkehr-Services (Technik, Catering, Beratung). Das Lufthansa-Hauptgeschäft und die Lufthansa-Billigsparte Eurowings bekommen eigene Posten im Konzernvorstand. Spohr unterstreicht mit der Neuaufstellung die Bedeutung von Eurowings, mit der der Lufthansa-Konzern künftig gegen Billig-Konkurrenten wie Ryanair und Easyjet bestehen will. Die Pilotengewerkschaft Vereinigung Cockpit (VC) trägt diesen Kurs jedoch nicht mit, weil für die Eurowings-Piloten andere Tarifvereinbarungen gelten als für die Piloten der traditionellen Lufthansa.
Das sind die Neuerungen auf einen Blick: Im Rahmen des Konzernumbaus entlässt Lufthansa 150 Führungskräfte der weltweit 1000 für die Airline tätigen Manager – das ist das komplette Aus für eine der vier Führungsebenen unterhalb des Vorstands. Eurowings indes bekommt einen eigenen Vorstand und soll unabhängig weiter entwickelt werden. Die Premium-Airlines Lufthansa, Austrian Airlines und Swiss werden künftig zentral von Harry Hohmeister geleitet und auch der weltweite Vertrieb wird in eine Hand gelegt und am Lufthansa-Drehkreuz Frankfurt angesiedelt, der Bereich Marketing geht nach München.

Lufthansa ist „geschäftlich sehr gut aufgestellt“

Die neue Eurowings soll – anders als die Premium-Airlines der Lufthansa Group – künftig eigenständig agieren und somit deutlich Personalkosten einsparen. Dieses Vorhaben verleiht dem zentralen Konfliktthema in der Tarifauseinandersetzung mit der Pilotengewerkschaft Cockpit wieder neuen Zündstoff und könnte erneute Piloten-Streiks nach sich ziehen. Die neue „Eurowings Group“ soll bereits zum 1. November 2015 eine neue Geschäftsführung erhalten – Karl Ulrich Garnadt übernimmt dann die Verantwortung für Eurowings.
Trotz aller Schwierigkeiten sieht Lufthansa-Chef Carsten Spohr Europas größten Luftverkehrskonzern dank des niedrigen Ölpreises und der starken Nachfrage in diesem Sommer „geschäftlich sehr gut aufgestellt“. Die Prognose für den Betriebsgewinn von mehr als 1,5 Milliarden Euro werde auch nach Abzug der bisherigen Streikkosten erreicht. Die drei Streikrunden der Piloten in diesem Jahr haben laut Lufthansa etwa 150 Millionen Euro gekostet.

Lufthansa und VC Cockpit verhandeln wieder

Im Streit mit der Pilotenvereinigung Cockpit VC will die Lufthansa wieder an den Verhandlungstisch zurückkehren. Gesprächsthema solle ausschließlich die Ruhestands-Übergangsversorgung für Piloten bis zum Erreichen des gesetzlichen Renteneintrittsalters sein, ließen beide Seiten verlauten. Die Lufthansa hatte diese Regelungen zum Jahresende 2013 einseitig gekündigt, um durchzusetzen, dass die Piloten später als derzeit in den Vorruhestand gehen. Bislang war das im Einzelfall bereits mit 55 Jahren möglich. Lufthansa-Chef Spohr zeigt sich erfreut darüber, dass wieder verhandelt wird. Der Konflikt zwischen Gewerkschaft und Airline ist derzeit völlig festgefahren und hat in diesem Jahr bereits zu drei Streikrunden geführt.

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geschrieben von: Flugbegleiter | Airline News | 0 Kommentare