Lufthansa-Preismodell kopiert Billigflieger-Tarife

Foto Lufthansa führt im Oktober ein neues Preismodell in der Economy Class einLufthansa stellt im Herbst 2015 in der Economy-Klasse auf ein neues Preismodell um. Ähnlich wie bei Ryanair oder easyJet wird bei günstigen Lufthansa-Tarifen dann für aufgegebenes Gepäck ein zusätzlicher Obolus fällig.

Was ist neu bei den Lufthansa-Tarifen?

Billigflieger behaupten sich mit ihrer Preisgestaltung hervorragend am Markt und viele Passagiere nutzen wegen der günstigen Tickets gern diese Angebote. Nun will Lufthansa nachziehen und ab 1. Oktober 2015 mit dem neuen Preismodell das Fliegen günstiger machen. Heute sollen Details zu den neuen Preiskategorien veröffentlicht werden, die ab 28. Juli buchbar sind.
Ab Herbst soll es für Kurz- und Mittelstreckenflüge drei Preiskategorien geben, die von den Billigfliegern schon bekannt sind und kürzlich auch bei der Lufthansa-Tochter SWISS eingeführt wurden: „Light“, „Classic“ und „Flex“. Die neuen Tarife lassen sich vereinfacht so beschreiben: Je günstiger das Ticket, desto weniger Service. Für aufgegebenes Gepäck oder eine Umbuchung muss dann bei bestimmten Angeboten extra bezahlt werden. Lufthansa-Passage-Vorstand Jens Bischof sagte gegenüber der SZ, dass im neuen Lufthansa-Preiskonzept der Kunde nur für das bezahle, was er auch in Anspruch nehme. Bei ihrer Billig-Tochter Germanwings gibt es die abgestuften Tarife bereits.

Das ist neu: Passagiere der Kategorie Light dürfen ausschließlich Handgepäck mitnehmen, Umbuchungs- und Erstattungsmöglichkeiten sind völlig ausgeschlossen. Beim Classic-Tarif ist ein zusätzliches Gepäckstück enthalten. Der Flex-Tarif ist für Passagiere gedacht, die ihre Reisepläne kurzfristig ändern möchten oder müssen.

Auslastung der Maschinen wird verbessert

Vielfliegern wird das neue Preismodell der Lufthansa nicht unbekannt sein, weil es die meisten Billigflieger praktizieren. Lufthansa wollte sich bisher immer von den Billigfliegern abheben und ihr Image als „Luxus-Airline“ auch in der Economy Class erhalten. Ein Hauch von Luxus soll deshalb zumindest auch beim neuen Preismodell noch erhalten bleiben – Getränke und Snacks an Bord sollen auch weiterhin kostenlos angeboten werden und die Business-Klasse für Geschäftskunden soll bestehen bleiben.
Wegen der Preisdifferenzierung bei Economy-Tickets kann die Lufthansa künftig ihre Preise noch stärker gestalten und die Maschinen unter Umständen besser auslasten – im vergangenen Jahr waren die Maschinen der Lufthansa im Durchschnitt lediglich zu 80 Prozent ausgelastet. Unterm Strich bedeutet jeder Platz, der nicht leer bleibt, einen Gewinn für die Airline. Und gerade die mangelnde Ertragskraft ist eins der gravierenden Probleme der Lufthansa, die als etablierte Airline höhere Kosten schultern muss als die Billig-Konkurrenz. Im vergangenen Jahr hatte Lufthansa zwar etwa 30 Milliarden Euro Umsatz erwirtschaftet, jedoch nur einen Mini-Gewinn von 55 Millionen Euro erzielt.

Kürzlich hatte Lufthansa bereits mit einer weiteren Veränderung aufgewartet: Ab September kosten die Tickets der Kranich-Airline 16 Euro mehr, wenn sie über ein globales Vertriebssystem (GDS) erstellt werden. Das trifft derzeit auf mehr als zwei Drittel der Tickets zu, da vor allem Reisebüros und Internetportale die GDS-Systeme nutzen, um Flüge und Reisen weltweit einzukaufen und abzurechnen. Mit der Neuerung will Lufthansa möglichst viele Tickets selbst verkaufen und auch damit ihre Ertragskraft steigern.

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geschrieben von: Flugbegleiter | Airline News | 0 Kommentare