Lufthansa: Sterneküche über den Wolken

Essen der Business Class auf interkontinentaler Strecke. Foto: Lufthansa/WundermannSeptember und Oktober sind die beiden Jubiläumsmonate. Dann feiert Lufthansa ihr vor zehn Jahren aufgelegtes „Star Chef“-Gourmetprogramm. Wir haben der Kranich-Fluglinie einmal in die Töpfe geschaut.

Was schon Loriot wusste
Der Kranich, das Markensymbol der Airline, so der Lufthansa-Chef Wolfgang Mayrhuber jüngst in der August-Ausgabe des Bordmagazins, könne mehr als 2.000 Kilometer weit fliegen, ohne Nahrung aufzunehmen. „Das möchten wir unseren Fluggästen natürlich nicht zumuten“, schreibt Mayrhuber und zitiert den deutschen Humoristen Loriot, wonach der Mensch schließlich das einzige Wesen sei, das im Fliegen eine warme Mahlzeit zu sich nehmen könne.

Nashi-Birne mit Meaux-Senf-Honigsauce
In der First Class gibt es zum Jubiläum jetzt zum Beispiel geräucherte Entenbrust und feines Confit auf Linsensalat, kreiert von Daniel Boulud vom Restaurant Daniel in New York. Oder Nashi-Birne mit Meaux-Senf-Honigsauce, Ziegenfrischkäse und karamellisierten Walnüssen, das sich Jin Jie Zhang vom Green T. House in Peking ausgedacht hat. Oder marinierte Riesengarnele mit Wasabi und Mangowürfeln von Tam Kok Kong vom China Club in Berlin. Alles Vorspeisen, die Lufthansa-Vielflieger im Vorfeld des Jubiläums online quasi als Favoriten aus den „Star Chef“-Menüs der vergangenen zehn Jahre ausgewählt haben.

Business-Class-Fluggäste auf interkontinentaler Strecke beim Essen. Foto: Lufthansa/Wundermann
Schlutzkrapfen mit Topfen-Spinatfüllung
Auch geschmorte Kalbsbäcken mit Tahiti-Vanille, Kichererbsen Mousseline, flambierte Himbeeren und Broccoli, wie ihn Sven Elverfeld vom Restaurant Aqua in Wolfsburg zubereitet, gehören – als Hauptgang – dazu. Genauso wie die in Nusskruste gebratene Taube, Quinoakörner mit Datteln und Minze von Anne-Sophie Pic vom Maison Pic in Valence. Wie Südtiroler Schlutzkrapfen mit Topfen-Spinatfüllung auf leichter Gorgonzolasauce und Frühlingszwiebeln von Karl Baumgartner vom Restaurant Schöneck in Mühlen und Norbert Niederkofler vom St. Hubertus in San Cassiano. Oder Thunfischsteak mit Sojasprossen, Sesam und Wasabipüree von Reto Mathis von Mathis Food Affairs in St. Moritz.

Von Reisenden für Reisende
Damit sind die Reisenden einmal selbst die „Star Chefs“, so Lufthansa mit Blick auf die für die Jubiläumsmonate von Reisenden für Reisende ausgewählten Köstlichkeiten, zu denen als Dessert-Spitzenreiter das Halbgefrorene von weißem Kaffee mit kandierten Clementinen von Gérard Rabaey vom Brenter Le pont de Brent und der Kaiserschmarrn mit Beerenröster und Vanille-Eis von Martin Sieberer aus dem Trofana Royal in Ischgl zählen. In der Business Class spannt sich der Bogen der favorisierten Lieblingsessen vom Vorspeisen-Kalbfleisch mit Salsa Diavola und buntem Gemüsesalat von Nadia Santini vom Dal Pescatore in Mantua über den Riesengarnelen-Hauptgang auf Currysauce mit Zartweizen-Risotto von Heinz Winkler aus der gleichnamigen Residenz in Aschau bis hin zum Joghurt-Charlotten-Dessert in Heidelbeersauce von Thomas Keller vom French Laundrey aus dem Nappa Valley.

Egal ob vegetarisch oder koscher
Vorbereitung bei der Lufthansa-Catering-Tochter „LSG Sky Chefs“. Foto: Lufthansa/GörlichUm das leibliche Wohl der Lufthansa-Kunden kümmern sich laut Mayrhuber „rund um die Uhr und an 365 Tagen im Jahr“ mehr als 28.000 Mitarbeiter in den Küchen und Servicebetrieben der „LSG Sky Chefs“ genannten Catering-Tochter. Das weltweite kulinarische Netz umfasst mit mehr als 600 Gerichte und 100 ethnischen Varianten ein vielfältiges Repertoire der Kochkunst, zählt der Lufthansa-Chef auf. „Ob vegetarisch oder koscher, Vollkost oder Schonkost – die Palette ist groß“, haben Kunden der Kranich-Linie die Möglichkeit, bis zu 24 Stunden vor Abflug Spezialmenüs zu bestellen. „Für ganz besondere Sterne am Himmel sorgen dann noch namhafte Spitzenköche in der First und Business Class auf der Langstrecke.“

Dahinter steht ausgefeilte Logistik
Dahinter muss dann freilich auch eine ausgefeilte Logistik stehen. „Alleine für den Flug unseres neuen Flaggschiffs A380 werden von den ‚Sky Chefs’ 40.000 Gegenstände von der Serviette bis zu den Rosen in der First Class an Bord geliefert“, verweist Mayrhuber zugleich darauf, dass dazu auch 5500 Geschirr- und Besteckteile sowie über 1.000 Liter Getränke vom Mineralwasser bis zum Champagner gehören. Weltweit gibt es 193 LSG-Standorte. Die regelmäßig durch ein unabhängiges Hygiene-Institut geprüften Lebensmittel dort stammten ausschließlich von zertifizierten Lieferanten, versichert der Lufthansa-Chef.

Im zweimonatigen Wechsel
Supervisor Matthias Maier öffnet den Trolly für einen Qualitätscheck. Foto: Lufthansa/GörlichBis die Airline Meals eines „Star Chefs“ an Bord gehen, sind jeweils mehrere Treffen mit den Sterneköchen notwendig. Erst nach der Präsentation des kompletten Menüs, bei der die Umsetzung der Rezepte durch die Köche der Catering-Tochter vorgestellt wird, und nach letztem persönlichen Schliff des Sternekochs setzt der seinen Namen unter die Speisekarte. Im Rahmen des „Star Chef“-Programms kreieren die internationalen Spitzenköche im zweimonatigen Wechsel ihre Menüs. Jedes trägt dabei aus Lufthansa-Sicht die Handschrift eines Meisterkochs, „so dass Fluggäste dessen individuellen Stil kennenlernen können“.

Salziges Spiel mit den Aromen
Ab November soll der jeweilige Spitzenkoch, ausgehend von seinen kulinarischen Schwerpunkten, nun noch mehr in den Mittelpunkt rücken. Die Lufthansa will zumindest einen „tieferen Einblick“ in dessen Philosophie geben und Business-Class-Gäste beispielsweise mit dem Angebot überraschen, etwa ein außergewöhnliches Salz mitnehmen zu können, „wenn der ‚Star Chef’ für sein Aromen-Spiel mit verschiedenen Salzen bekannt ist“. Darüber hinaus steht für beide Premiumklassen die Einführung der “Lufthansa Classics” bevor, monatlich wechselnde klassische Gerichte wie Wiener Schnitzel oder Königsberger Klopse. Ob auch der Kranich darauf Lust haben könnte?

fluege.de/Günther Koch/KoCom

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