Lassen sich Flugzeugtüren während des Fluges öffnen?

Foto An Bord einer Lufthansa-Maschine hat ein verwirrter Passagier versucht, während des Fluges die Kabinentür zu öffnen.Was sonst nur in Action-Filmen passiert, wurde auch in der Realität schon einige Male versucht: Ein Passagier begibt sich zur Kabinentür und versucht diese während des Fluges zu öffnen. Doch wie realistisch ist diese Horror-Vorstellung?

Schock über den Wolken

Auf einem Flug der Lufthansa von Frankfurt nach Belgrad kam es für die Passagiere zu einem Zwischenfall mit Schockmoment. Auf 11.000 Metern Höhe über österreichischem Gebiet versuchte ein Mann – ein Jordanier mit US-Pass – eine der Flugzeugtüren zu öffnen. Crew-Mitglieder und Passagiere reagierten entschlossen und überwältigten den Mann. Nach der Landung übergaben sie ihn in die Hände der Polizei. Mittlerweile ist bekannt, dass der Mann psychisch verwirrt war und ein politischer oder gar terroristischer Akt ausgeschlossen werden kann. Doch wie realistisch ist das beabsichtigte Vorgehen des Mannes überhaupt und was passiert bei einer Öffnung der Kabinentür während des Fluges?

Physikalisch so gut wie unmöglich

Gleich zu Beginn gibt es Entwarnung. Eine Öffnung der Flugzeugtüren in dieser enormen Höhe ist schon aus rein physikalischen Gründen so gut wie unmöglich. Konkret herrscht auf einer Flughöhe von 10 Kilometern nur noch ein Fünftel des Bodendrucks. Im Flugzeug sorgen Druckkabinen jedoch für einen höheren Druck im Inneren, damit Passagiere normal atmen können. Dieser Druckunterschied bewirkt, dass die Türen nach außen gepresst werden. Um sie zu öffnen, müssten sie jedoch zu erst nach innen gezogen werden. Aufgrund der vorherrschenden Kräfte dürfte dies selbst dem stärksten Mann der Welt nicht gelingen.

Damit die Flugzeugtür tatsächlich während des Fluges geöffnet werden könnte, müsste zunächst der Kabinendruck reduziert werden und selbst dann verlangt dies immer noch eine enorme Manneskraft. Zudem befindet sich der Schalter für diesen Vorgang im Cockpit. Dieses lässt sich mittlerweile ohne technisches Einverständnis der Piloten ohnehin nicht von außen öffnen. Passagiere brauchen daher also keine Angst vor Actionfilm ähnlichen Szenen zu haben.

Personal wird für derartige Zwischenfälle geschult

Der Mann wäre allein also nicht in der Lage gewesen, die Tür zu öffnen. Dennoch fuhr einigen Fluggästen mit Sicherheit der Schrecken in die Glieder. In diesem Zusammenhang stellt sich daher auch die Frage, ob das Personal auf derartige Situationen vorbereitet ist. Laut einer Lufthansa-Sprecherin werden ähnliche Szenarien regelmäßig nachgestellt. Dies beinhaltet auch die Überwältigung derartiger Täter. Im Falle des Lufthansa-Fluges ging die größte Gefahr letztlich von einer möglichen Massenpanik der Passagiere aus. Das beherzte Eingreifen von Passagieren und Personal verhinderten jedoch weitere Aktionen des Mannes. Somit konnten auch die Fluggäste schnell beruhigt werden. Aufgrund der konkreten Gefährdung der Flugsicherheit werden gegen den Täter nun juristische Schritte eingeleitet.

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geschrieben von: Flugbegleiter | Airline News | 0 Kommentare