Etihad und ihre Strategie der Spinne

Bild Moderne FlugallianzenDie arabische Etihad Airways braucht keine Luftfahrtallianz. Etihads Expansionsstrategie beruht auf Assimilation. Seit Jahren steigt die Golfairline bei anderen Fluggesellschaften ein – mit großem Erfolg.

Aus unserer Sicht sind Ameisen sehr klein, doch sie leben in großen Völkern. Durch die Gemeinschaft verschaffen sich die winzigen Insekten mehr Macht und Stärke. Nach einem ähnlichen Prinzip funktionieren auch die Allianzen der Luftfahrtbranche: Gemeinsam agierende Fluggesellschaften üben stärkeren Einfluss auf Flughäfen und Regierungen aus. Die Allianzmitglieder nehmen dabei in Kauf, dass individuelle Interessen hinter dem Gemeinwohl der Allianz zurückstehen müssen. Anders ist das bei Etihad: Die arabische Golfairline macht es nicht den Ameisen nach, sondern vielmehr der Spinne.

Etihad ist der Mittelpunkt eines Netzwerkes

Während Mitglieder der Star Alliance oder Oneworld miteinander agieren und eine Machtbalance wahren, bildet Etihad den alleinigen Mittelpunkt einer eigenen Allianz und sitzt wie eine Spinne im Zentrum des Netzes. Und alles, was in dieses Netz geht, wird assimiliert, statt integriert. Dieser feine Unterschied gegenüber herkömmlichen Luftfahrtallianzen hat einen grandiosen Vorteil: Die „Spinne Etihad“ bleibt alleiniger Fädenzieher. Das beste Beispiel dafür ist Air Berlin. Etihad hält inzwischen 29,21 Prozent an Deutschlands zweitgrößter Fluggesellschaft. Das ist zwar keine absolute Mehrheit, aber dennoch ist Etihad als großer Investor mehr als richtungsweisend. Auf der Air Berlin-Route nach London wird kein Codesharing etabliert, sondern Etihad übernimmt die Flüge nach London gleich selbst. Air Berlin fällt der Spinne zum Opfer; Etihad diktiert die neue Firmenstrategie sowie die Flugrouten.

Fluggesellschaften im Netzwerk von Etihad

Etihad ist eine noch sehr junge Airline, die erst 2003 gegründet wurde. Ihr Netz begann sie 2010 zu spinnen. Die Fluggesellschaft Virgin Australia, an der Etihad 19,9 Prozent hält, machte den Anfang einer ganzen Reihe von Airlines, die in den letzten vier Jahren gepackt wurden. Neben Virgin Australia gehören auch Air Serbia (ehemals Jat Airways, 49%), Air Seychelles (40%), Air Berlin (29,21%), die indische Jet Airways (24%), Aer Lingus (4,11%), die schweizerische Darwin Airline (33,3%) sowie die italienische Staatsairline Alitalia (49%) zu den „Beutetieren“.

Gegenwind aus der Europäischen Union

Das Wachstum von Etihad lag im ersten Quartal 2014 in einem starken zweistelligen Bereich. Doch so erfolgreich Etihad den „Netzausbau“ der anderen Art bislang vorangetrieben haben mag, scheint die Strategie der Spinne auch ihre Grenzen zu haben. Die gesponnenen Fäden des Netzes sind sehr fragil und eine immer fetter werdende Spinne im Mittelpunkt belastet die Konstruktion umso mehr. Sobald Gegenwind bläst, gerät gleich das ganze Netz in Schwingung und die Fäden drohen zu reißen. Und solch ein riskanter Gegenwind kommt derzeit von den EU-Behörden. Sie beäugen das Beteiligungs-Geschäft skeptisch.

Etihad ist Retter für Pleiteairlines

In Brüssel stellt man sich die Frage, wie souverän Fluggesellschaften wie Darwin bzw. „Etihad Regional“ und Air Berlin überhaupt noch sind. Beispielsweise ist die Grundlage für die Zulassung einer schweizerischen Airline ihre Unabhängigkeit, doch die Darwin Airline bekommt ihre Kommandos ganz klar aus Abu Dhabi – dem Netzmittelpunkt von Etihad. Auch Etihads Rolle als Großaktionär von Air Berlin wird von der EU-Kommission hinterfragt. Dass die Behörden drittens noch über den Fall Etihad und Alitalia diskutieren werden, ist ebenfalls ohne Zweifel. Die EU hätte es dabei in der Hand, die von Etihad gesponnenen Beteiligungen zu kappen. Doch es würde nicht nur die Spinne selbst im Netz an Halt verlieren, sondern auch die darin eingewobenen, europäischen Airlines, die ohne das Investment von Etihad ohne Zukunft gewesen wären.

Tags: , , ,

geschrieben von: Co-Pilotin | Airline News | 0 Kommentare