Air Berlin: Profit vs Sicherheit?

Foto Air Berlin bietet nicht nur am Notausgang mehr Bewegungsfreiheit, sondern auch mit den XL-Seats in der EconomyAir Berlin hat Ärger mit dem Luftfahrtbundesamt (LBA): Notausgangsplätze bleiben oftmals leer, weil kaum einer extra dafür zahlen will – trotz größerer Beinfreiheit.

Freie Plätze am Notausgang stören das LBA

Am Notausgang in einem Flugzeug darf nicht jeder sitzen, es gibt dafür genaue Festlegungen: Die Passagiere, die dort Platz nehmen dürfen, müssen erwachsen, körperlich fit und in der Lage sein, sich mit dem Kabinenpersonal zu verständigen. Im Fall einer Notlandung müssen die Notausgänge nämlich von dem Passagier geöffnet werden, der dort sitzt. Wie das geht, wird mit kleinen Bildchen auf der Tür des Notausstiegs erklärt.

So weit so gut. Air Berlin verlangt jedoch – wie viele andere Fluggesellschaften auch – für die wegen ihrer größeren Beinfreiheit gerade bei sehr großen Passagieren beliebten Plätze am Notausgang zusätzliche Gebühren. Das hält dann doch einige Fluggäste davon ab, dort zu reservieren und so bleiben die Plätze am Notausgang oftmals unbesetzt. Diese Verfahrensweise ruft nun die Behörden auf den Plan: Das Luftfahrtbundesamt sieht darin einen Sicherheitsmangel.

Notausstiege müssen „unverzüglich“ geöffnet werden können

Die Behörde, die für die Überwachung der Airlines zuständig ist, ist der Ansicht, dass ein Luftfahrtunternehmen dafür Sorge tragen muss, „dass alle verfügbaren Notausgänge oder Notausstiege im Notfall unverzüglich geöffnet werden können“, berichtet die „taz“. „Die Forderung, dass an einem nicht mit einem Flugbegleiter besetzten Notausstieg grundsätzlich eine geeignete Person, die im Notfall diesen Notausstieg öffnen kann, zu platzieren ist“, lasse sich „aus den Bauvorschriften für große Flugzeuge CS-25 ableiten“, zitiert das Blatt das Luftfahrtbundesamt. Allerdings sei in der geltenden EU-Vorschrift tatsächlich nur verzeichnet, welche Personen nicht an einem Notausgang sitzen dürfen.

In seiner Stellungnahme hat das LBA zudem darauf hingewiesen, dass ein Flugzeug innerhalb von 90 Sekunden komplett evakuiert sein muss. Dafür gebe es ihm Rahmen der Zulassung von Flugzeugen vorgeschriebene Tests, bei denen auch die Plätze an den Notausgängen besetzt seien. Wegen dieser 90-Sekunden-Regel war es überhaupt nur möglich, nach einer Notlandung alle Passagiere unverletzt aus der brennenden Emirates- Maschine zu evakuieren.

Auch Luftfahrtexperten halten es für bedenklich, wenn Airlines wegen Zusatzeinnahmen weniger Sicherheit in Kauf nehmen. Es sei absehbar, dass sich die Evakuierung verzögert, wenn nicht im Vorhinein ein Passagier für das Öffnen der Notfalltür benannt worden sei. Deutschlands zweitgrößte Airline verlangt für die Plätze am Notausgang je nach Strecke zwischen 19,99 und 79,99 Euro Aufschlag.

Air Berlin kontert

Air Berlin folgt dieser Argumentation nicht und verweist gegenüber der „taz“ darauf, dass die Notausgänge vom ersten Passagier geöffnet werden, der sie erreicht. Es gebe keine gesetzliche Vorschrift, dass auf den Plätzen am Notausstieg jemand sitzen müsse, wird die Unternehmenssprecherin der zweitgrößten deutschen Airline zitiert. Zudem habe die Crew noch genug Zeit, Passagiere umzusetzen, falls eine Notlandung ansteht. Auch würden die Türen über den Flügeln, die im Notfall von Passagieren geöffnet werden müssen, gar nicht unbedingt benötigt, um die Vorgaben für eine Evakuierung einzuhalten.

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geschrieben von: Flugbegleiter | Airline News, Die Flugwelt A - Z | 0 Kommentare