XXL an Bord – So fliegen Übergewichtige

Der Fluege-Lotse informiert: Die Welt des Fliegens von A bis Z: XXL-Passagiere

Kieran Daly auf flightglobal.com_Condor hält einen Verlängerungsgurt bereit, TUIfly platziert mitreisende Angehörige auf den Jumpseat um, United Airlines verlangt den doppelten Flugpreis: Was ist der angemessene Umgang mit XXL-Passagieren im Flugzeug?

Seit im November 2009 ein Foto im Internet auftauchte, das einen extrem übergewichtigen Passagier zeigt, dessen massiger Körper nur zur Hälfte auf den Sitz einer Boeing 757 passt und dessen andere Hälfte fast komplett den Gang verstopft, wurde eine neue Debatte um „Fettgebühren und Moppel-Passagiere“ (bild.de) entfacht. Angeblich wurde das Bild von einer Stewardess aufgenommen, die damit ihrem Arbeitgeber American Airlines einmal zeigen wollte, unter welchen Bedingungen sie arbeiten muss: Hier passt definitiv kein Servierwagen mehr durch. Hinzu kommt ein massives Sicherheitsproblem. Am Ende gelangte das Bild zu flightglobal.com, einem englischsprachigen Blog – und von dort in die ganze Welt.

Um die Fluchtwege freizuhalten, schritt die Crew schließlich auch zur Tat: Der Sitznachbar des übergroßen Passagiers wurde auf einen späteren Flug umgebucht und letzterer mit Hilfe eines Verlängerungsgurtes über drei Sitze hinweg angeschnallt. Nicht bekannt wurde, ob der eingequetschte Nebenmann nach seiner Befreiung einfach nur erleichtert war, oder ob er wegen der unfreiwilligen Umbuchung Beschwerde bei der Airline einlegte. Der Unmut Mitreisender ist nämlich einer der Hauptgründe, warum einige us-amerikanische Airlines XXL-Passagiere neuerdings zwingen, für zwei Plätze zu bezahlen.

Moppel-Gebühr in den USA: Wer nicht in den Sitz passt, zahlt doppelt

Bereits acht US-Airlines haben die Regelung für Dicke in diesem Jahr eingeführt, darunter United, Continental, Delta, JetBlue und Southwest. Dabei gilt folgende Faustregel: Lässt sich der Sicherheitsgurt nicht schließen oder die Armlehne beim besten Willen nicht herunterdrücken, wird der Passagier auf einen “doppelten” Sitzplatz umgebucht. Sind im Flugzeug durch Zufall noch zwei zusammenhängende Plätze frei, hat der Passagier Glück und kann kostenlos umgesetzt werden. Bei ausgebuchten Flügen muss er aussteigen, auf eine spätere Maschine umbuchen oder eben einen zweiten Sitzplatz bezahlen.

Air France appelliert an “Passagiere mit großem Körperumfang”

Bild Dicker MannFluggäste deutscher und europäischer Fluggesellschaften wurden bisher von derartigen Kosten-Modellen verschont, die Idee der „Fat-Tax“ des skandalträchtigen Billigfliegers Ryanair mal beiseite gelassen. Nach einem Gerichtsurteil von 2007 musste Air France einem 170-Kilo-Mann sogar 8000 Euro Schmerzensgeld zahlen, weil sie von diesem die Buchung eines zweiten Sitzplatzes verlangt hatte. Inzwischen gibt die französische Airline auf ihrer Homepage „Korpulenten Passagieren“ die Empfehlung, von sich aus einen zweiten Sitzplatz zu buchen, wenn ihr Taillenumfang die angegeben Werte übersteigt. Interessant: Während in der Economy Class nur ein Leibesumfang von 153 cm erlaubt ist, darf der Bauch auf Langstreckenflügen in der First Class sogar 200 cm dick sein.

Lufthansa und Swiss setzen auf individuelle Lösungen

Viele von Übergewicht Betroffene buchen ohnehin freiwillig einen zweiten Sitzplatz hinzu, wie ein Sprecher der Lufthansa bestätigt. Schließlich möchten auch füllige Fluggäste niemanden belästigen und ihre Reise möglichst bequem über die Runden bringen. Andernfalls – und mangels einheitlicher Regelungen – setzen europäische Airlines wie Lufthansa oder Swiss auf individuelle Lösungen. So wird beim Check-In versucht, den Platz neben einer schwergewichtigen Person unbesetzt zu lassen oder bei nicht voll ausgebuchten Flügen den in die Enge getriebenen Sitznachbarn noch während des Fluges umzusetzen.

Tipp: Bei der Reservierung von zwei Sitzen sollte man darauf achten, dass die Armlehnen auch tatsächlich hochgeklappt werden können. In manchen Flugzeugtypen ist dies nur in der für Behinderte reservierten Sitzreihe der Fall. Fluggäste, die sich für die Business Class der Lufthansa entscheiden, profitieren übrigens automatisch von einer eleganten Lösung. Der Mittelplatz bleibt hier nämlich standartmäßig frei, was nicht nur fülligeren Flugreisenden eine angenehme Bewegungsfreiheit verschafft.

Intelligente Sitze statt “Fettgebühr”?

Dem Sitz-Problem übergewichtiger Passagiere versuchen Airlines noch aus anderer Richtung gerecht zu werden: durch intelligente Sitz-Konstruktionen. Zwar ist es aus Kostengründen nicht möglich, die Sessel – dem Trend zum Übergewicht folgend – einfach breiter zu machen. Da Flugzeugsitze besonders leicht sein müssen, um den Kerosinverbrauch nicht in die Höhe zu treiben, beträgt ihre Standartbreite nach wie vor etwa 43-46 cm. Sitzhersteller wie Recaro Aircrafts versuchen jedoch heutzutage Passagieren durch den Einsatz flexiblerer Materialien und eine ergonomische Form der Sitze dennoch mehr Komfort zu verschaffen. So sollen möglichst 95 Prozent der Weltbevölkerung – von zierlichem Asiaten bis hin zum XXL-Amerikaner – bequem in die fliegenden Sitzmöbel hineinpassen.

Bild Air IndiaAn Bord haben übrigens nicht nur übergewichtige Passagiere ihre Last mit überflüssigen Pfunden. Im Januar 2009 entließ die indische Fluggesellschaft Air India zehn Flugbegleiterinnen wegen ihres Übergewichts. Die Airline hat nämlich genaue Richtlinien in Bezug auf das zulässige Maximalgewicht von Stewardessen: Je nach Alter und Größe liegt es zwischen 50 und 56 Kilogramm.

11 Kommentare zu “XXL an Bord – So fliegen Übergewichtige”

  1. Fluege.de: XXL an Bord « ARGE Dicke Weiber sagt:

    [...] Artikel: http://news.fluege.de/a-bis-z/xxl-an-bord-so-fliegen-uebergewichtige/7460.html Schlagworte: [...]

  2. Heutige Links | Das Übergrößen-Blog sagt:

    [...] XXL an Bord – So fliegen Übergewichtige | Fluege.de News – [...]

  3. Brigitte Pösl sagt:

    Ich finde es durchaus angemessen, dass Übergewichtige mehr bzw. den doppelten Flugpreis bezahlen müssen. Ich bin einmal auf einem Flug von Portland nach Chicago neben einer Frau gesessen, die so stark war, dass sie nicht einmal ihr Tablett herunterklappen konnte. Während dieser 2 Stunden konnte ich mich kaum rühren, weil sie meinen Platz zum Teil ebenfalls einnahm. Ein Flug nach Europa wäre in diesem Fall eine Tortour gewesen. Vielleicht müssten die Flugpreise ja nach Gewicht berechnet werden? Gerechter wäre das auf jeden Fall allemal, denn alle Normalgewichtigen müssen schliesslich die gleichen Preise bezahlen wie die Übergewichtigen und zahlen somit im Grunde auch für diese Personen mit.

  4. charlie sagt:

    Es sollte einen Grundflugpreis geben
    111 Kilo incl sämtlichem Gepäck in der Eco,
    166 kilo incl.Gepäck in C und
    222Kilo in F.
    Alles weiter Gewicht sollte extra berechnet werden!

    Wenn ich beim check in sehe,dass eine 45 Kilo Frau für 5 Kilo Übergepaeck zahlen muss,daneben ein 150 Kilo Fastfoodmonster mit seinen 20Kilo Gepäck ohne weitere Zahlung fliegt,finde ich dass nicht richtig!
    In altem Flugerät galt die Regel 1Kilo-1std Flugzeit-1Liter Kerosin!

  5. Harald sagt:

    Jeder sollte gleich behandelt werden! Ein abzurechnendes Gesamtgewicht ist absolut fair. Es ist jedem überlassen was er oder sie aus ihrem Körper macht, aber es darf nicht zum Nachteil anderer werden. Harald aus der Eifel

  6. charly sagt:

    an alle schreiber, welche die uebergewichtigen personen als fastfoodmonster und dergleichen bezeichnen, greift euch mal an den kopf und prueft das gewicht eurer gehirnmasse, falls es ueberhaupt etwas zum pruefeb gibt.denn es gibt auch krankhaft bedingte uebergewichtige. diescreminierung anderer und aroganz scheint bei euch wohl das meiste an wissen in eurer gehirnmasse an gewicht vorhanden sein, die aroganz, intoleranz und das entsprechende benehmen gerade von einigen deutschen urlaubern im ausland laesst oft zu wuenschen uebrig,mehr noch sind oftmals noch weniger als die unterste schublade, welche ich nach vielen jahren als besitzer einer privaten pension feststellen musste. aber zum glueck gibt es auch noch viele nette deutsche, und diese kommen als gast und gehen als freunde. charly vom j. b. pension.@……de

  7. AlexderFranke sagt:

    Bei sehr stark Übergewichtigen finde ich es richtig, einen Zuschlag für einen Zweitsitz zu erheben, mit Ausnahme bei solchen, wo es Folge einer Erkrankung ist. Das kann man ja einfach durch eine ärztliche Bescheinigung nachweisen.
    Ich würde die Grenze eher ziemlich hoch ansetzen, vielleicht 150 km mit einschließlich Gepäck. Denn jeder Mensch ist ja unterschiedlich groß und deshalb schon einmal unterschiedlich schwer. Außerdem ist es für viele Übergewichtige fast unmöglich, auf Durchschnittsgewicht abzunehmen und das zu halten. Es gibt aber eine Grenze, wo man von übertrieben ungesunder Ernährung und fehlender Selbstmaßregelung ausgehen muß. Darauf kann man nur begrenzt Rücksicht nehmen. Hier ist eine gewiße gesellschaftliche Strafe verständlich, ausgenommen bei krankheitsbedingter Fettleibigkeit.

  8. Wolle sagt:

    Wie Fliegt denn ein Großer Dicker heute?
    Einen 2ten Platz auf Pauschalreisen kann er nicht Buchen, da die Reiseveranstalter keine 2ten Plätze (auch nicht für Geld) aus ihrem Kontingent herauslösen.
    Die so genannten XXL Sitze sind schmaler als normale Sitze und dürfen nicht mit Gurtverlängerung benutzt werden. (Weis kein Mensch.)
    Also ist man gezwungen ganz normal zum Normaltarif zu buchen und wenn ein Platz frei ist sich so umsetzen zu lassen das man einen Freien platz neben sich bekommt. War übrigens im letzten Jahr 6 mal kein Problem.( Danke Airberlin)
    Und wer über Dicke hetzt den wünsch ich beim Wasserball im nächsten Urlaub in die generische Mannschaft.:)
    P.s. Soll doch mal jemand einen Sitz 50 % größer bauen mit mehr Beinfreiheit. Ich würde mit Freude 50 % mehr bezahlen.

  9. Sarah sagt:

    Traurig. Mehr fällt mir dazu gar nicht ein. Seit dankbar, wenn ihr nicht dick seit. Natürlich wird man dick durchs essen, aber es gibt 1000 Gründe fürs essen. Also seit froh, dass ihr nicht unter diesem Problem, und das ist es bei allen, leidet.
    Aber warum dürfen Dicke nicht auch in den Urlaub fliegen? Und warum sollten sie viel mehr zahlen? Als Nichtraucher finde ich es auch unangenehm neben einem Raucher zu sitzen, der den Rauchgeruch in seiner Kleidung hängen hat. Oder Kinder, ich fühle mich von lauten Kinderlachen auch gestört. Oder turtelde Paare und was ist mit schnarchenden Nachbarn ??? Wollen wir jetzt Klassen schaffen für dick und dünn, reich und arm, Paare und Singles?
    Es muss eine Lösung gefunden werden, die für alle passt, aber niemanden diskriminiert oder verletzt. Und diese Fat Tax ist verletzend!
    Und mehr Beinfreiheit betrifft auch schlanke Menschen :)

  10. jenny sagt:

    Ich finde es discriminierend wenn dünne dermassen über übergewichtige herhetzen.
    Viele übergewichtige haben auch psychische probleme die der grund für ihre masse ist.

  11. Ralf sagt:

    Also ich sage mal so, wen von den Dünnen nützt es denn, wenn Dicke mehr zahlen, denn die 50 Kilo Frau zahlt ja auch nicht weniger.
    Ich leide selbst an extremen Übergewicht, irgendwie speichert mein Körper einen Großteil aller Flüssigkeiten.
    Ich esse wenig, trinke aber gut 8 – 10 Liter am Tag.
    Wer jetzt sagt, warum trinkt er nicht weniger, wenn ich das könnte, würde ich auch nur 2 Liter am Tag trinken, aber es klappt nicht.
    Ich sehe dies als Krankheit, aber mein Arzt hat dies bisher nicht bestätigt.
    Also wie sollte ich nun nachweisen, dass mein Gewicht, meine Masse Krankheits bedingt ist?
    Somit müsste ich mit 180 Kilo 2 Plätze buchen, wieso?
    Setzen wir doch einfach 2 50 Kilo Frauen auf einen Platz, noch 3 40 Kilo Mädels auf einen anderen und dann haben wir 4 Plätze für einen Dicken!
    Also alles Bockmist, die Sitze sollten wohlfühlmaße von mindestens 70 cm breite haben und mit Sitzfläche nach vorne mindestens 90 cm weit sein (mit Fußraum gerechnet).
    Dann hätte fast jeder sein Platz.
    Also denken vor schreiben, um nicht später mit jemanden den Platz teilen zu müssen, denn wenn der Chef der Flugfirma 120 Kilo wiegt und er dies als Mindestgewicht für einen Sitz ansetzt, teilen sich später 3 50 Kilo Frauen einen Sitzplatz, wäre doch auch geil oder?

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