Der Fluege-Lotse informiert – Die Welt des Fliegens von A bis Z:
Alles rund um den Sitz
Im Flugzeug macht man vor allem eines: lange sitzen. Daher kann der Start in den Urlaub gründlich misslingen, wenn der Sitz zu eng und der Nebenmann ein eher unangenehmer Zeitgenosse ist. Gut zu wissen also, wo sich im Flieger die besten Sitze befinden und wie man sie ergattert.
Zunächst einmal gilt: Ein guter Sitzplatz im Flieger hat seinen Preis. Klar, dass man in der First Class besser platziert ist als in der „Holzklasse“. Trotzdem gibt es in jedem Flieger gute und schlechte Sitze, Unterschiede, die sogar für die Business oder First Class gelten. Damit Sie bei Ihrem nächsten Flug ausgeruht ans Ziel kommen, gibt der Fluege-Lotse in dieser Woche Informationen und Tipps rund um die fliegenden Sitzmöbel.
Robust müssen sie sein: Economy-Sitze
Bei Economy-Sitzen kommt es vor allem auf zwei Dinge an: strapazierfähig und leichtgewichtig müssen sie sein. Komfort steht erst an zweiter Stelle, daher müssen sich die Passageire mit relativ schmalen Sitzflächen zufrieden geben. Zwischen 42 und 46,5 cm sind sie breit, der Abstand zum Vordermann beträgt im Schnitt weniger als 80 cm. Eigentlich schade, denn der Sitzplatz im Flugzeug ist einer der wesentlichen Faktoren dafür, dass ein Passagier seinen Flug als gelungen empfindet. Was nutzt einem Mann von 1,90 Meter das beste Menü an Bord, wenn er nicht einmal das Tablett an seinem Sitz herunterklappen kann?
Den Wunsch nach mehr Wellness über den Wolken haben auch viele Airlines inzwischen erkannt und den von Billig- und Charterfluglinien geschaffenen Trend, durch Verkleinerung der Sitzabstände immer mehr Passagiere in eine Maschine zu pferchen, umgekehrt. Den Economy Class Sitz trotz aller Vorgaben komfortabler zu machen, gehört heute zu den größten Herausforderungen der Sitzhersteller.
Dem deutschen Sitzbauer Recaro, Nummer drei weltweit und Zulieferer von Airbus und Boeing, gelang es allein mit schlauem Design, seinen Economy-Class-Sitz Comfort Line 3610 für die A380-Flieger von Qantas deutlich komfortabler zu machen. Dafür räumte er den „2009 Australian International Design Award of the Year“ ab.
Fliegen wie auf Wolken: Business und First Class-Sitze
Wer sich die Business oder First Class leisten kann, kommt in den Genuß wahrer Sitz-Wunder: Bequeme und gut gepolsterte Ledersitze, die sich per Knopfdruck zum Flugzeugbett umwandeln lassen, dazu Entertainmentsysteme mit Großbildschirm und Cockpitansicht gehören in der Business Class meist schon zum Standart.
Als einzige Airline in Europa bietet Lufthansa einen Service an, der zusätzlich mehr Platz schafft: Auf Kurz- und Mittelstreckenflügen bleiben in der Business Class die mittleren Sitze unbesetzt und können als zusätzliche Ablagefläche genutzt werden. In den meisten Lufthansa Regional-Fliegern stehen Business-Passagieren außerdem zwei Sitze nebeneinander zur Verfügung.
Den meisten Komfort bietet natürlich die First Class: Bei Ethiad Airways lassen sich die extrabreiten Ledersessel nicht nur in völlig flache Betten verwandeln, sondern auch für das gemütliche Dinner zu zweit um 180 Grad drehen. Bei Singapore Airlines sorgen Schiebetüren und Rollos zusätzlich für Privatsphäre. In der “Super First Class” von Emirates haben die Sitze eine Massagefunktion und können die Lieblingsposition des Fluggastes digital speichern. Tellergroße Fernbedienungen bringen die Sitzmöbel in jede erdenkliche Position und steuern dazu einen ganzen Unterhaltungspark.
Technische Raffinessen: Was Sitze heute können
Die Zeiten, in denen ein Sitz lediglich über ein Tablett, eine Tasche für Zeitschriften und einen Knopf für die Rückenlehne verfügten sind vorbei – sogar in der Economy Class. Moderne Flugzeugsitze sind heute mulitmediale Alleskönner. In der Bestuhlung ist das gesamte In-flight Entertainment enthalten, vom Film- und Fernsehprogramm über Musik on Demand, Videospiele, Vorrichtungen für den PC bis hin zu Telefonen im Sitz. Sogar in der Economy Class können sich Passagiere von beispielsweise Singapore Airlines auf 10,6 Zoll LCD-Breitbild-Bildschirmen am Unterhaltungsprogramm erfreuen, ihren Laptop anschließen und über den Wolken telefonieren.
So findet man sie: Die besten Sitze im Flieger
Wo sind sie denn nun, die besten Sitze im Flieger? Und welche Sitze sollte man unbedingt meiden? Eine gute Hilfe sind zum Beispiel Internet-Seiten, die Sitzpläne von Fluggesellschaften veröffentlichen und gleich auch bewerten. Es reicht, die Airline und den Flugzeugtyp zu wissen, und schon werden auf der entsprechenden Übersicht gute, mittelprächtige und schlechte Sitze angezeigt. Im “Airline seat pitch guide” findet man zusätzlich Angaben über die Sitzabstände zwischen den Reihen.
Besonders begehrt sind die sogenannten XL-Seats an den Notausgängen. Um den Platz mit der Extra-Beinfreiheit zu bekommen, muss man allerdings frühzeitig reservieren. Am besten man ruft seine Airline gleich bei Buchung an, denn eine Online-Reservierung dieser Sitze ist nicht immer möglich. Doch Vorsicht, den Wunschplatz gibt es nicht zum Nulltarif: Was früher zum Service dazu gehörte, haben viele Airlines heute als Einnahmequelle für sich entdeckt.
Jetzt noch reservieren
Oft gibt es die Sitzreservierung nur noch gegen Bares. Sie kostet im Schnitt zwischen 5 und 10 Euro für eine normale Reservierung und rund 20 Euro für den XL-Sitz. Billigfluggesellschaften bieten häufig freie Sitzwahl, dies gilt zum Beispiel für Germanwings, EasyJet oder Ryanair. Natürlich kann man auch bei diesen Airlines seinen Lieblingsitz gegen Aufpreis reservieren. Bei einer Onlinebuchung wird man in der Regel automatisch zur Sitzplatzreservierung aufgefordert. Man muss also nur noch wissen, wo man sitzen will.
Ein paar Tipps: Meiden Sie die Plätze direkt vor oder neben der Toilette und in der Nähe der Bordküche. Hier geht es oft unruhig und nicht immer geruchsarm zu. Bei den Sitzen mit Wand im Rücken lässt sich die Rückenlehne nicht verstellen, und auf mittleren Plätzen wird man vom Nebenmann spätestens beim Essen in die Zange genommen. Da dürfte der Gangplatz die bessere Alternative sein, hier kann man auch mal ein Bein ausstrecken – aber nur wenn nicht gerade die Crew mit den Essenwagen vorbei muss.
17. November 2009 um 11:05
gut und sehr aufschlussreich
01. Februar 2010 um 18:31
Im Prinzip stimmt das alles. Die Notausgänge werden aber eher an Leute vergeben, die sportlich genug sind, auch im Notfall zu helfen. Das erste Abteil hinter der Business ist sehr gut. Allerdings nicht in der allerersten Reihe, da kann man die Füsse wegen der Wand nicht ausstrecken. Noch ein Tip, die Toiletten sind ja oft tierisch eng. Da kann man sich die Füsse vertreten und ins Heck gehen. Da ist in der Regel das größte WC, weil es über die ganze Breite geht. Man muss vorher den Flieger wissen.