Der Fluege-Lotse informiert – Die Welt des Fliegens von A bis Z:
Tomatensaft an Bord
Es ist eines der letzten ungelösten Rätsel dieser Welt: Ein Passagier bestellt Tomatensaft und plötzlich wollen ihn alle. Dabei würden die meisten von uns den roten Saft auf Erden niemals anrühren.
Rund 40 Millionen Liter Tomatensaft trinken die Deutschen laut dem Verband der deutschen Fruchtsaftindustrie jährlich. Rund 1,5 Millionen Liter davon schenkt allein die Lufthansa über den Wolken aus. Hochgerechnet auf alle Airlines müssten demnach vier bis fünf Prozent der gesamten Tomatensaft-Produktion in luftiger Höhe konsumiert werden. Eine enorme Menge, wenn man bedenkt, wie wenig Zeit der Durchschnittsdeutsche an Bord von Flugzeugen verbringt. Zum Vergleich: Der Orangensaft-Konsum im Flieger macht nur etwa 0,4 Prozent der jährlichen Produktion aus.
Eine alte Anekdote, die immer wieder gerne erzählt wird, zeigt, wie sehr wir zumindest im Himmel an unserem Tomatensaft hängen. Als die Lufthansa ihn nämlich 1993 aus dem Angebot nahm, sah sie sich an Bord mit lautstarken Protesten konfrontiert. Die Airline erkannte, dass sie einen Fehler gemacht hatte und nur 48 Stunden später stand der Tomatensaft wieder auf der Getränkekarte. Er ist eben ein ideales Fluggetränk – aber warum?
13 Gründe, warum wir über der Erde scheinbar ganz andere Gelüste haben als auf der Erde
1. Geschmacks-Druck bei Unterdruck
Auf 10.000 bis 12.000 Metern Höhe herrschen im Flugzeug ähnliche Verhältnisse wie im Hochgebirge. Davon merken wir im Normalfall nicht viel, der Unterdruck wirkt sich aber angeblich negativ auf das Geschmacksempfinden aus. Unsere Geschmacksknospen brauchen stärkeren Tobak – da sorgt der Tabasco nebst Salz im Tomatensaft für eine willkommene Würze.
2. Mehr Spaß mit Tomatensaft
Im Flieger sitzen kann ganz schön langweilig sein. Da ist Tomatensaft eine willkommene Abwechslung. Das Würzen, Rühren und Trinken der flüssigen Mahlzeit beschäftigt uns länger als gewöhnlicher Orangensaft – so kommen wir schneller an.
3. Die Elektrolyt-Theorie
Über den Wolken ist die Luftfeuchtigkeit viel geringer als in Wohnräumen. Die Folge: Der Körper verliert vermehrt Flüssigkeit und damit auch Elektrolyt – in Wasser gelöste Mineralien, die für unsere Zellen unentbehrlich sind. Viele Flugreisende scheinen zu ahnen, dass Tomatensaft ein hervorragender Mineralien-Spender ist und schützen sich instinktiv vor Wadenkrämpfen, Nervosität, unregelmäßigem Herzschlag in Folge von Elektrolytmangel.
4. Der “me too” – Effekt
Crew-Mitglieder kennen die bizarre Gruppendynamik, die in Flugzeugen immer wieder zu beobachten ist: Bestellt sich ein Fluggast gut hörbar Tomatensaft, wollen ihn plötzlich alle. Auf anderen Flügen rührt den roten Saft kein Mensch an. Ist die Tomatensaft-Mode in Flugzeugen einfach eine Art ritualisierter Futterneid?
5. Fast ein keines Steak
Tatsächlich ist Tomatensaft das nahrhafteste Angebot des Getränkewagens. Wogegen die bescheidenen Snacks vieler Airlines kaum ausreichend sind, um den Bauch zu füllen. Da kommt der sättigende Saft genau richtig.
6. Reiseübelkeit
So eine Flugreise ist für viele Menschen aufregend, da rumort es schon mal im Magen. Jetzt greift man besser nicht zu säurehaltigen oder blähenden Getränken wie Apfel- oder Orangensaft. Bei flauem Magen ist Tomatensaft die erste Wahl – er ist schön dickflüssig und hilft aufgrund seines hohen Elektrolyt-Gehaltes gegen Durchfall.
7. Weniger Harndrang
Ein anderer Vorteil des dickflüssigen Tomatensafts: Er führt nicht so schnell zu Harndrang wie andere Getränke. Besonders nach Kaffee oder Bier muss man häufig rennen, was gerade im Flugzeug unpraktisch ist.
8.Tomatensaft als Blutersatz
Unser witzigster Arzt der Nation, Eckart von Hirschhausen, steuert in seinem Buch „Die Leber wächst mit ihren Aufgaben“ eine „tiefenpsychologische These“ zum Thema bei: 90 Prozent der Passagiere leiden demnach an Flugangst und der Tomatensaft dient ihnen als „ritueller Blutersatz“, mit dem sie sich schon einmal auf das Schlimmste einstimmen…
9. Radikal gegen Stress
Fliegen bedeutet für den Körper Stress – oxidativen Stress etwa: Über den Wolken sind besonders viele freie Radikale unterwegs, die unsere Zellen angreifen, das Altern beschleunigen und krank machen können. Dagegen helfen nur Radikalfänger wie der Stoff Lycopin oder die Vitamine A und C. Sie sind in der Tomate reichlich enthalten. Gewusst oder intuitiv gespürt? Tomatensaft vermindert Flugstress!
10. Tomatensaft befriedigt
Cola macht Durst auf mehr, nach einem kleinen Glas Tomatensaft ist man befriedigt. Was auf Erden dazu führt, dass kaum jemand Tomatensaft kauft, da die angebrochene Packung im Kühlschrank prinzipiell verschimmelt, ist im Flieger überaus praktisch. Schließlich weiß man nie, wie lange man auf das nächste Getränk warten muss.
11. Besondere Anlässe erfordern besondere Getränke
Für viele Reisende ist der Flug ein besonderes Ereignis mit gänzlich ungewissem Ausgang, eine potentielle Gefahrensituation also. Bei drohender Gefahr will man instinktiv nüchtern bleiben und verzichtet auf das Anstoßen mit Alkoholischem. Trotzdem soll das besondere Ereignis entsprechend gewürdigt werden. So entstand das Tomatensaft-Ritual – ähnlich dem Popcorn-Ritual im Kino.
12. Abenteuerlust
Existentiell gefährliche Handlungen wie das Fliegen erfordern weitere wagemutige Taten: An Bord ist DIE Gelegenheit, ganz im Schutz der Anonymität ein neues Getränk auszuprobieren, das sonst – wenig salonfähig – eher Öko-Fans zugerechnet wird.
13. Im Glas ist gar kein Tomatensaft – sondern…
….falls Sie es nicht wissen, probieren Sie es bei Ihrem nächsten Flug doch einfach auch mal aus!
24. November 2009 um 11:18
Auch ich trinke immer wenn moeglich Tomatensaft. Frueher litt ich unter Reiseuebelkeit aber mit Tom.saft bekam ich das Problem in den Griff
25. November 2009 um 11:17
Einen vierzehnten Grund:
Das süße Gelabber der Cola & Co. ist schon unter Normalbedingungen widerlich. Da ist das herzhafte Lycopingetränk auch die gesundere Wahl.
Einen fünfzehnten Grund:
Für Diabetiker ist es vermutlich die einzige Alternative zu Krabbelwasser.
22. Januar 2010 um 10:38
Warum so viel Tomatensaft? Die wahre Auflösung ist zu finden in dem neuen Buch: “Ready for Boarding. Fliegen mit Tomatensaft und Turbulenzen”. Ein Muss für jeden Flugreisenden!