Kontaminierte Kabinenluft jetzt im Film

Foto Vor allem für Kinder stellt kontaminierte Kabinenluft ein hohes Risiko dar.Fliegen kann krank machen. Vor allem dann, wenn die Kabinenluft mit Giftstoffen kontaminiert ist. Der Dokumentarfilm „Ungefiltert eingeatmet“ hat dieses gravierende Sicherheitsproblem in Flugzeugen zum Thema.

Fume events werden oft tot geschwiegen

Der Dokumentarfilmer Tim van Beveren beleuchtet in seinem jüngsten Werk „Ungefiltert eingeatmet – Die Wahrheit über das Aerotoxische Syndrom“ eigenen Aussagen zufolge „ein kleines dreckiges Geheimnis der Luftfahrtindustrie.“ Konkret geht es um die stark mit Giftstoffen belastete Kabinenluft – genauer gesagt um die in den Ölpartikeln enthaltenen Nervengifte, denen jeder Passagier während des Fluges ausgesetzt sein kann. Vor allem für die Crew, aber auch für Schwangere, Kleinkinder, ältere Menschen und Vielflieger stellen diese Fume events ein erhebliches Gesundheitsrisiko dar.

Nach der Premiere in Berlin am 15. Juli 2015 hatte van Beveren laut einem Medienbericht auch die Bundesstelle für Flugunfalluntersuchung (BFU) sowie den Bundesverband der Deutschen Luft- und Raumfahrtindustrie e.V. zu einer Podiumsdiskussion über die Sicherheitsmängel eingeladen. Ohne Erfolg, beide Organisationen blieben fern. Im Medienbericht heißt es jedoch, dass der Industrieverband sich auf Anfrage dahingehend geäußert habe, dass man das Thema Sicherheit an Bord „sehr ernst“ nehme. Ein Programmkino sei jedoch „kein Forum, um das Thema zu behandeln“.

Mediziner warnen

Im Film berichten Passagiere und Besatzungsmitglieder über Vorfälle mit giftigen Dämpfen an Bord von Flugzeugen. Die Stewardess Freya von der Ropp schildert ein Ereignis an Bord einer Boeing 757 der Condor: „Mein erster Gedanke war: So fühlt es sich an, wenn man vergast wird“, sagt sie in dem Film. Insgesamt vier Crew-Mitglieder zeigten damals Vergiftungssymptome. Die Stewardess leidet bis heute unter den Folgen. Eine Entschädigung wurde ihr jedoch bisher verweigert, weil man davon ausgeht, dass von der Ropp Enteisungsflüssigkeit eingeatmet hat. Diese verursachen aber erwiesenermaßen keine derartigen Vergiftungssymptome. Mediziner halten im Film eher die Diagnose „Aerotoxischen Syndrom“ als Folge einer Vergiftung mit Organophosphaten für wahrscheinlich. Ausgelöst wird die Vergiftung dem Zeitungsbericht zufolge durch das Einatmen eines Cocktails aus erhitzten chemischen Zusätzen im Öl, darunter auch das Nervengift Trikresylphosphat (TKP). Atmet man diese Stoffe, die sich im Triebwerksöl und den Hydraulikfüssigkeiten befinden, können in der Folge Kopfschmerzen, Übelkeit und Lähmungen auftreten. Und weil die Luft zur Klimatisierung eines Flugzeuges direkt über die Triebwerke angesaugt wird, gelangt diese brisante Gift-Mischung gelegentlich auch ins Cockpit und in den Passagierraum. Immerhin treten solche Fume Events durchschnittlich bei einem von 2.000 Flügen auf – bei großen Airlines wäre das ein Vorfall pro Tag. Gemeldet werden derartige Vorfälle bei der Bundesstelle für Flugunfalluntersuchungen jedoch offiziell kaum – die Airlines verschweigen viel eher die Probleme mit der Kabinenluft. Bisher gibt es auch keine Messsensoren, die vor dem Eindringen solcher Stoffe warnen. Auch effektive Filter fehlen. Piloten- und Flugbegleitergewerkschaften machen sich deshalb bereits seit vielen Jahren für die Abkehr vom bisherigen Zapfluftsystem, wie es unter anderem bei Maschinen des Typs Boeing 787 verbaut ist, stark. Bisher leider vergeblich.

Quelle: Cicero

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geschrieben von: Chef-Mechaniker | Die Flugwelt A - Z | 1 Kommentar